Antizylisch im Anmalgeschäft

(Eine Kolumne oder so.)

 

Der neue Döppersberg müsste ein weiterer Schritt sein in ein Zeitalter der Fitness und Vitalität, denn vor kurzem eröffnete hier die obligatorische Bahnhofsdrogerie. Dass es in der Tat um Gesundheit geht in dieser Art Läden, klärte neulich mein Kreuzworträtsel, wo zu DROGERIE, waagerecht, acht Buchstaben, die schöne Umschreibung „Gesundheitsmarkt“ hieß. Wenngleich diskutabel: Modernes Wissen lauert überall, man muss es nur suchen.

Jeder Bahnhof von Ehre hat bekanntlich so einen Markt, vielleicht außer Vohwinkel. Ein schöner Fall von „Gesetz obwohl irrational“, von „normativ trotz Quatsch“, denn erklärt sich plötzliches Hygienebedürfnis logisch damit, dass man sich einem Bahnhof nähert? Auch mein Rätselheft hilft nicht aus der Aporie, denn die Märkte bieten ja keineswegs nur Mittel gegen Reiseübelkeit. Rational wäre eine Ansiedlung von Drogerien am Bahnhof, wäre sie so biologisch begründet wie die von Pflanzen. Die übrigens der drogenfreie Vohwinkler Bahnhof dafür bei der Kulturtrasse zum Thema gemacht hat, als Künstler in der „Kunststation“ sich solcher Flora und Fauna widmeten, die sich typischerweise in Bahnhofsnähe findet. Drospas waren nach meiner Erinnerung keine darunter, doch der beste Nährboden ist halt Gewohnheit: Die Dinger kommen hin, wo man sie sucht. Für Duschgel zum Zug geht man ja nicht, weil es logisch sein müsste, sondern weil man duschen will.

Dass jedenfalls Drogerien so fruchtbar aus dem Boden sprießen, stört manchen, und das ist auch zu verstehen. Mein Verhältnis zu Drogerien ist aber entspannt, und das liegt an nicht weniger als meiner Sympathie fürs Ausscheren. Nicht über Gebühr sexistisch scheint mir die Annahme, dass dort die Kundschaft überwiegend weiblich ist. Prompt in Konflikt mit meinem Rätselheft gerät indes die These, dass es dort weniger um Gesundheit geht als um Kosmetik – und schon wird ausgeschert. Denn außer Kategorien wie „Herkunft“ oder „Lieblingsverein“ erlaube ich mir gern den Luxus, auch „Geschlecht“ generell für eine recht lahme Schublade zu halten. Als Mythos, den wahrscheinlich einzigen mit quasi ewiger Bestandsgarantie, denn zum Fortgang der Menschheit scheint er konstitutiv. M/F in die Mottenkiste? Unsexy. Fortpflanzungsuntauglich. Das aber gebietet Lob für solche Frauen, die Schönheit nicht als Lebensziel sehen und mehrstöckige Anmalgeschäfte daher als maßvoll albernes Phänomen.

Eine tolle Bekannte war einst zu einem illustren Termin geladen, vor dem die Teilnehmerinnen zur Übernachtung gemeinsam untergebracht waren. Am Morgen Tumult, zwei Stunden vor Antritt. „Hab ja noch eineinhalb Stunden“, meinte sie und drehte sich nochmal rum, Käppi über der Schnute – doch weit gefehlt: Längst war offenbar Zeit für die anderen Damen, zu meutern, manükieren und mit Tiegeln zu klappern. [„M/F kann eine Bürde sein“, hätte Joy Fleming da singen können. Bin grad noch in Grand-Prix-Laune. Die Bekannte mag aber keinen Grand Prix. Diese Klammerbem evtl noch weg]

Selbst mag ich aber Drogerien, und zwar genau genommen aus demselben Grund wie ich Frauen mit drogistischer Indifferenz feiere. So unweiblich es nämlich in lahmen Köpfen ist, Drogerien doof zu finden, so unmännlich ist es dort, sie zu mögen. Mein Ding also. Ganz gerne ziehe ich durch die Gänge, erwerbe auch ein paar Erfrischungstücher oder Probiergrößen von irgendwas, sowie zuletzt ein Innenetui für Handtaschen. Es soll das bekannt lästige UMPACKEN ersparen, und das Problem kennen ja meine Taschen und Rucksäcke auch, auch wenn ich zugegeben nicht alle Frauen-Basics brauche. Doch auch jenseits schnöder Not schnuppere ich gern den Duft von Drogerien, wohl nicht gesund, doch aromatisch. Sowie ganz allgemein in einen Kosmos hinein, der natürlich künstlich ist, doch bunt und sinnlich und stets getrimmt auf angenehm.

(Sehr legaler Disclaimer: Dieser Artikel enthält eine übersehene Klammernotiz und wurde gesponsort von Rossmann, dm, Fuchs, drospa und Müller-Elberfeld, letzteres allerdings nur vom Erdgeschoss, da oben nur Spielzeug.)

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Welt halt. Oder: Reden bringt’s nicht immer.

Dachte beim FR-Artikel über Politisch-Ästhetisch-Debatte https://www.google.de/amp/m.fr.de/kultur/literatur/simon-strauss-eugen-gomringer-zwangspolitisierte-dichter-a-1457738.amp.html erst an Bazon Brock. Zumal der Autor Simon Strauss demnach auch noch sagte, die Vorwürfe, er gehöre zur Neuen Rechten, habe er sich „selbst eingebrockt“. Jedenfalls gab es anderenorts eine andere Runde mit Brock und Stefanie Sprengnagel, und da muss es hoch her gegangen sein. https://m.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Nachtreten-zum-Podiums-Desaster-beim-Brechtfestival-id44344776.html Mein Gedanke zum Facebook-Post dazu jedenfalls mag auch zum Ästhetik-Streit um Strauss passen: Was soll das?

 

Manche Menschen sehen alles politisch, und leider haben sie die Realität auf ihrer Seite. Die nämlich, dass ein Buch oder Feuilletontext natürlich politisch relevant ist, weil er faktisch nicht-literarischen Einfluss haben kann. Umso mehr, je stärker er sich in die Öffentlichkeit wagt. Ich möchte dagegenhalten: Ja, dann ist das so.

Gedichte auf Hausfassaden werden zwangsläufig auch aktuell eingeordnet, bewertet, in Diskurse gepackt. Das ist ebenso unvermeidlich, wie man es bescheuert finden darf. Sieht wiederum ein Künstler sein Werk auf „Aussagen“ reduziert, ja: reduziert, denn wohl überhaupt keine Kunst der Welt will bloß Aussage: Dann darf er das als reflexhaft abtun, als oberflächlich, kurz: als Banausentum. Nicht so anders als Reaktionen der Art „Das Gekritzel kann mein Enkel aber besser.“ Plumpe Praxisdenke. Welt halt.

 

Stimmt einfach beides.

 

Warum bitte zwei so unvereinbare Positionen an einen Tisch zwingen? Engagement ist eine ziemlich genauso starke Haltung wie es autonomes Künstlertum ist. Da wird keiner zurückstecken, da will jeder siegen. Das ist Schaukampf, das ist wie Haie aufeinander loslassen und fragen, welcher moralischer ist.

Es stimmt schon, dass alles politisch ist im Leben, das Private, die Kunst – nämlich: politisch wirken kann. Wirkung in Kauf nehmen, das ist die Herausforderung. Mögliche, latente oder imaginierte Rechtstendenzen stehen lassen oder Sexismen, das können politische Menschen nicht, denn ihr Fokus sind Folgen; derlei Sturheit verdient übrigens Respekt, sofern sie mit Sorge motiviert ist. Für gemeinsame Nenner, für irgend erhellende „Diskussionen“ ist das alles völlig ungeeignet.

 

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Zeitgemäß? Wer’s braucht…

Dass alles seine Zeit habe, ist eine gute Weisheit für Leute mit Struktur. Menschen, die klare Ordnung schätzen, werden alterstypisches Verhalten loben und es eher tadeln, wenn nicht mehr Jugendliche Jugendsprache verwenden. Wer indes kein Ideal darin sieht, dass sein Leben sich in Berufsalltag und Familiengründung einpendeln sollte, hat zu solchem Denken in Lebensabschnitten freilich weniger Anlass, vielleicht auch weniger Bedarf. Es liegt nahe zu vermuten, dass es die gleichen Menschen sind, die es ablehnen, nach elf Uhr noch zu frühstücken. Müsli um zwölf oder Croissant à midi, das ist in der Tat etwas unseriös und erlaubt Zweifel am Bewusstsein für den Ernst der Lage. Wem das allerdings egal ist und das Morgenmahl nicht nur nach Uhrzeit schmeckt, der darf auch beim Lebensalter vom süßen Pflänzchen Indifferenz kosten, ohne das Gesicht zu verziehen und sich pflichtgemäß zu schütteln.

Neulich gab es einen Film über den Alkoholkonsum junger Leute, und wer sich so etwas ansieht, wird sich selbst zu nicht jungen und die jungen zu grundsätzlich erst einmal fremden Leuten zählen. Derlei Selbstverständnis erklärt sich schnell bei gesetzten Zeitgenossen mit Festjob und Kindern, die in ihrer Rolle aufgehen. Beim Rest freilich scheint es etwas lahm, sein Verhältnis zur Welt vom Tacho abhängig zu machen, vom Fortgang der Zeit, dem das eigene Leben sonst kaum entspricht. Peinlich sei das, jung zu reden oder sich zu kleiden, sobald irgendein seriöses Alter erreicht ist? Künstler und Freigeister für unkonventionelles Tun loben, aber über junges Verhalten über 18 oder 48 die Nase rümpfen – das ist eine traurige Inkonsequenz.

Die doofen unter den Modemätzchen dissen zum Glück auch coole Zwanzigjährige – Spott über Netz- und Selfiesucht ist bei Poetry-Slammern keine Seltenheit. Die freilich kriegen bei den strengen Mahnern des „Handle altersmäßig!“ wahrscheinlich ihrerseits Schläge. Um alberne Auswüchse der Jugendkultur nicht zu feiern, braucht man keine vierzig zu sein. [Blödes Reden wie „Isch geh Bahnhof“ zum Beispiel.] Das Wörterbuch der Jugendsprache dagegen listet ja offenbar kein reales Reden junger Leute, sondern ist Produkt fabulierender Forscher, die ihre lustigen Ideen bei einer ihnen fremden Gruppe namens „Jugend“ verorten, deren Existenz sie damit ebenso zementieren wie ihre Einschätzung, selbst natürlich zu einer ganz anderen zu gehören. Über Lessing berichtet ein Zeitgenosse empört, er habe den Dichter zuweilen noch um zehn Uhr morgens im Bett erwischt. Nicht auszudenken, sollte er beim Morgenkaffee zu Mittag auch noch jugendliches Zeug geredet haben.

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Profis. Ein Rundumschlag

Profidenke: Ein Thema für sich. Ein Thema für mich? Das zuallermindest. Gemessen an meinen schon zahlreichen Notizen dazu, die hier einfach einmal versammelt seien.


 

Nein, was Friseure können, können nicht nur Friseure. Nein, auch Stadtwerke sind nicht per definitionem unfähig zu witzigen Kampagnen. Nein, es ist nicht unmöglich, auch als Jobstudent vernünftig zu bedienen statt mit dreijähriger Kellnerausbildung.

Auf Profitum beharren und zwar wider besseres Wissen: Das sehe ich auch beim Texten, und da sogar besonders leicht erklärbar: Mit großer Geste wies einmal eine Kollegin im Texterbüro eine Onlineplattform für Texterdienste von sich, insbesondere dort verfasste Texte als Bewerbungsreferenz. Solche Internetdienste sind in der Tat Beispiel für ein anderes Phänomen unserer Zeit, nämlich das (netzgestützte) Dumping. Mangelnde Fachlichkeit aber gleichzusetzen mit fehlender Qualität, das ist: Wunschdenken. Wunschdenken von Kellnern, Textern, Handwerksmeistern, die via „FACHMANN!“-Label Platzhirsch bleiben wollen.

Logisch kann es selbstverständlich kein Qualitätskriterium für einen Text sein, wo er entstanden oder erschienen ist. Die Ablehnung zeigt daher umso klarer die freilich schiefe Vehemenz: Besonders bei Diensten, die faktisch und ganz unbetreitbar eben doch auch von „Ungelernten“ übernommen werden könnten, ist das Beharren so verständlich – und so durchsichtig. Profis beharren auf Profitum weil sie Felle davonschwimmen sehen. Nicht weil es sachlich nötig wäre.


 

Die eher hausaufgabenmäßigen unter meinen Zeitungsterminen SIND überhaupt die professionellen, oder? Passt übrigens: Schüler sein ist ja auch eine Profession.


 

Dass professionelle Bühnen etwas völlig anderes tun als Privattheater, ist nicht so sehr Tatsache, aber eine wichtige Setzung. Was etwa in Endproben an sozialen Prozessen stattfinden kann, unterscheidet sich einfach nicht anhand der Organisationsform (Sttathstheater? Unitruppe? Boulevardbühne?) Die dennoch wichtige Setzung kommt vom Selbstverständnis, dass nur öffentliche Theater nach Gutdünken KUNST MACHEN können, weil sie nicht nur vom Gefallen leben. Als Bekenntnis zum Konzept Stadttheater ist diese Setzung wertvoll, bloß entspringt sie mehr einem Beschluss als den Umständen. Rundheraus Ähnlichkeiten zu leugnen, ist realitätsfern, dafür aber menschlich und idealistisch.


 

Nichtfachlichkeit mögen. Briefträgerinnen etwa, deren Körperhaltung zu sagen scheint: „Doll find ich das nicht, hier den Handkarren mit den Umschlägen oder was durch die Gegend zu schieben. Aber muss ja, irgendwas.“ Und eben grad vom stolzen Gestus genervt sein, mit dem sich Vollblutler in die Brust werfen:

© Was XYler können, können nur XYler!

© Dienstliche Kassierermiene solange sich Kunde nähert – ist ja Gegenseite!

© Zahnpastagrinsen als part of the job – abstellen sobald Feierabend!

© Als Marketingexperte sage ich euch…!

Irgendwer mit etwas Durchblick, Händchen für Bedarf x reicht oft einfach. Bietet freilich Menschen, die für sich selbst eine Rolle brauchen und das ausgerechnet beim Broterwerb mitabdecken wollen, nicht so schön Gelegenheit zur Selbstprofilierung.


 

Nicht nur Kellner und Friseure: Wer Profidenke doof findet, sollte auch vor dem „eigenen Metier“ nicht haltmachen. Zwischen einem aus Pflicht zusammengeschusterten Artikel und einem guten Leserbrief ist äußerlich der einzige Unterschied, dass es für den ersten Geld gibt. Sonst ähneln sie sich zuweilen wie ein Ei dem anderen.

Passt übrigens: IM GRUNDE SIND PROFIS BIOHÜHNER. Denn der Unterschied ist vor allem auf Produzentenseite interessant: Biohühner kriegen zwar kein Honorar, aber idealerweise erträgliche Lebensbedingungen. Das aber ihre Eier für den Esser gesünder sind und Profitexte für den Leser ertragreicher, ist weniger Fakt als Wunsch; daran muss man schon ein bisschen glauben.


 

Professionell hat zwei Bedeutungen: ICH HAB KRASSE SKILLS. Und: ICH BRAUCHE IHR GELD. Beides mag oft zusammenkommen, aber es sind einfach zwei verschiedene Dinge.

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Daumen hoch für planlos: Mein Rückblick 2017

Krasse Planung. Am Bahnhof kurz nach Weihnachten gezielt die Abfahrtszeit checken, erknobeln, dass es für einen Kaffee reicht, und diesen nach Kauf erst leeren, um dann am Ticketautomat die Hand frei zu haben: Für mich das reine Konzept. Wie planlos man ist, zeigt sich deutlich im Umgang mit anderen, und das kann peinlich sein, aber kokett gewendet auch Spaß machen: ‚Ich habe die Mitnahme eines Regenschirms vorsätzlich in ein kausales Verhältnis zum Wetterbericht gesetzt, statt diese Radiorubrik wie jedermann nur als retardierendes Moment zwischen Nachrichten und Musikprogramm abzuwarten!‘ Mit Ahnungslosigkeit irritieren kann sehr schön sein.

Keinen Plan haben: Das soll mein loses Motto über 2017 sein, und immerhin für diesen Text passt es dann ja gar nicht, denn Motto ist Plan, zumindest Rahmen; aber füllen lässt ein Rahmen sich doch so spontan bis sprunghaft, wie man lustig ist.

Bild könnte enthalten: im Freien

Plan gilt als Maß aller Dinge, planlos als unprofessionell und Nichtprofi als peinlich. Ich breche hiermit eine Lanze für den Berliner Flughafen,  bei dem die Empörung sich ja längst verselbständigt hat zum wohligen Spott über Dilettantismus. Profi geht mir auf die Nerven.

Sprung also zum Thema Profidenke, das mich schon lange umtreibt. Darunter: „Journalistisch schreiben“, ein weites Feld. Doch gleich wie weit: Gerne erlaube ich mir und mute anderen zu, mich nicht ständig zu fragen: Stehe ich auf dem J-Boden, auf einem anderen oder wo sonst? Nicht erst seit ich bei Joseph Roth (Weihnachtsgeschenk) derzeit Bedenkenswertes zu literarischem Journalismus lese. Im November habe ich eine Journalismuskonferenz besucht und mich dort für die Rolle der Presse gegenüber Lesern wie auch Akteuren interessiert, zufällig nur Tage darauf gab ein Künstlerkreis lokalen Zeitungsleuten ziemlich selbstbewusst zu verstehen, wo deren Rolle im Kulturleben sei.  Hier kurz dies: Termine wie diese sind wichtig zur Standortbestimmung der Presse – egal wie sehr ich mich selbst zu dieser zähle. Medienskepsis ist ja ein Komplex, der dieses Jahr sehr überindividuell wirksam war: Das Kreisen um die AfD schien die Bundestagswahl zu bestimmen, das Kreuzchen bei dieser Partei Zeichen gegen unser System und die Medien als angeblichen Teil davon. Womit denn ein politisches Topthema 2017 hiermit auch schon untergebracht wäre.

Auch nicht ganz planvoll:

Ende Exkurs.

Obwohl, Stopp noch: Unseriös ist natürlich auch, Filmbesprechungen zu schreiben über Filme, die man gar nicht gesehen hat, wie diese: https://artikuliert.wordpress.com/2017/07/03/fahrlaessig-feiern-ich-habe-noch-nie-etwas-gefeiert-genauer-ich-habe-den-ausdruck-ich-feiere-xy-noch-nie-verwendet-ausser-es-ging-um-meinen-geburtstag-oder-sowas-seit-mitte-201/

Jetzt aber Fortsetzung „J-Label und andere„: Beim erwähnten Künstlertreff war ich froh, als Kulturinteressierter eingeladen zu sein, nicht nur als „irgendwer mit Medien“. Dem vorausgegangen war eine Begebenheit früh im Jahr, als ich für die Zeitung eine Vernissage besuchte: Eine Frau sprach mich nett an, ich sei ja sicher auch Künstler, und ich musste zerknirscht gestehen: Eigentlich nur Presse. (Natürlich anders formuliert, man weiß sich ja zu benehmen; vor allem wenn plötzlich der Zeitungschef hinter mir gestanden hätte, den ich bis heute nicht kenne und vielleicht auch nicht kennen muss.) Aus der Liste der Kulturnetzwerk-Kandidaten hatte ich mich damit aber nicht katapultiert – das zeigte sich später zu meiner Freude und Genugtuung. Denn es stimmt ganz allgemein: Unter meinen „Kulturterminen“ sind nichtdienstliche mir vielfach die liebsten. Außerplanmäßig.

Beispiel Anfang des Jahres: Eine mir bekannte Regisseurin traf ich zum Essen und schaute mir danach endlich ihre aktuelle Inszenierung an, aus Privatinteresse. Geschrieben, da kann ich wohl nicht aus meiner Haut, habe ich trotzdem etwas dazu: Notizen, assoziativ, planlos. Aber: oder auch: Daher: Sie schien sich verstanden zu fühlen und schrieb zurück: „Ich habe mich so sehr über deine Bemerkungen gefreut!!“ Solche Reaktionen hört man nicht so häufig als Journalist, während er Journalist sein will. (Genau dann würde es übrigens tatsächlich nicht passen.)

Ein anderer Theaterbesuch nach Gutdünken war das Bochumer „Theatertexte NL“, zu dem ich nachher Eindrücke im Blog eines Freundes loswurde und dort programmatisch schrieb:

„… So ein Wochenende mit Gesprächen und szenischen Lesungen ist schon etwas „special interest“ und schmeichelt ein bisschen dem Aficionado im Besucher. … Nach Ende eines Stücks gemeinsam zum Talk ins Tanas zu gehen und dann wieder zurück, ist so ein schönes Element, das solch ein Format vom normalen Theaterbesuch unterscheidet.“

Und dann zum Auftritt: „…Nicht komplett, nicht so perfekt – das mögen heute Eigenschaften sein, die auch sonst beim Theater manch gute Anregung geben könnten.“

http://fischpott.com/theatertexte-nl/

Fall drei dann gänzlich ungeplant, zumindest von meiner Seite: In einer schummrigen Kultkneipe lasen zwei Schauspielerinnen Texte, und ich haute was ins Facebook.

… Obszön: sehr. Derb: null.
Die wollen nur spielen! Das ist so ein schöner Eindruck, der sich von Theaterleuten bei solch engen Off-Auftritten vielleicht am besten einstellt, spätestens wenn plötzlich auch noch der Intendant sich vom Nebentisch einschaltet und laut von seinen Frauengeschichten erzählt.

https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1457254557717313?pnref=story

Hauzeit halb drei nachts, und Österreichs Rechtsruck kam auch noch zu seinem Recht, weil zum Rechner die Zwei-Uhr-Nachrichten liefen. Und weil halt Ösi-Schummertexte. Dienstlich: null. Schön: sehr.

Um dann auch zu schließen mit Kulturzeug: Ist denn Offenheit für Unerwartetes aka Planlos nicht eine ganz wesentliche künstlerische Grundhaltung?

An der linken Seitenwand hängen Darstellungen von Planeten, und ihr Material ist interessant: Die Künstlerin besitzt eine Sammlung aus Hunderten Fotos und wählte daraus einige, die durch kreisrundes Ausschneiden nun Neptun oder Uranus ähneln. Was heute als farbige Struktur eines Planeten erscheint, war demnach ursprünglich die Aufnahme von etwas sehr Irdischem – etwa einem Wasserschaden in ihrem Atelier. Wenn man so will: Ein ästhetisch günstiger Zufall.

http://www.wz.de/lokales/wuppertal/kultur/kuenstlerin-heike-pallanca-macht-die-galaxie-anschaulich-1.2431822

(Ein Beitrag von mir, der dieses Jahr jedenfalls gelobt wurde.)

Stichwort NL, leider: Mein Beitrag zu „Theatertexte NL“ ist in meinen inneren Annalen auch verknüpft mit einem Fail Of Fails Of The Year. Angefügt hatte ich ihn meiner Bewerbung für eine Mitarbeit in der Dramaturgie an Olaf Kröcks Schauspielhaus Bochum. Kurz gesagt: Das Lesen seiner Mails wegen möglicher Einladungen zum Vorstellungsgespräch sollte man manchmal nicht auf nächste Woche verschieben, weil die dann überholt sein könnten. War dann auch so. Planlos bringt’s nicht immer. Lektion gelernt …

Zu viel Plan macht aber auch suspekt, da bleibe ich stur:

Zur Bundestagswahl begann die lokale SPD sehr früh, sehr massiv und sehr überlegt, ihren neuen Kandidaten aufzubauen. In mehreren Schritten, mit einheitlichen Plakaten, Ansprache… Corporate Design, nichts weniger. Für mich zu viel: Mehr weil der Overkill  mich nervte als aus politischen Gründen, habe ich Helge Lindh nicht gewählt. Und das mag als Wahlmotiv seinerseits natürlich unreif sein – aber, Vorschlag zur Güte: Wenn gute Parteien im Internet blöde Slogans posten und nach Klicks gieren, kriegen sie vielleicht TROTZDEM meine Stimme. Aber nicht mein Like.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Fast hätte ich alter Sturkopf mich dann vom überraschend zielstrebigen Auftritt abhalten lassen, ein tolles soziales Projekt gut zu finden – ließ mich zum Jahresende aber dann doch noch überzeugen: https://www.engels-kultur.de/cookin-hope-swane-cafe-wuppertal „Robuste Anweisungen“, „Rezept“,“recht routiniert“: „Das wird es brauchen.“ Das war durchaus reserviert gemeint, doch es geht ja um was.

BREAK! CUT! THEMENWECHSEL! Lieblingssatz, meiner, einer:

Zootiere sperren Menschen ein, im Bild dazu wird ein lethargischer Riese von einem Mini-Tuffi getriezt. Kurz: Die Welt ist voller Kämpfe, Krämpfe und Genitalien. Schön ist das nur manchmal.

Da dieser Rückblick keineswegs nur privat sein soll, muss wieder Politik her, und Grund gab es ja genug. Medienskepsis ist ja ein Komplex, der dieses Jahr sehr überindividuell wirksam war: Das Kreisen um die AfD schien die Bundestagswahl zu bestimmen, das Kreuzchen bei dieser Partei Zeichen gegen unser System und die Medien als angeblicher Teil davon. Womit denn ein politisches Topthema 2017 hiermit auch schon untergebracht wäre.

Wer den vorigen Abschnitt schon kennt, braucht nicht Guttenplag zu alarmieren – ich weiß einfach noch nicht, wo er am besten passt. Beispiel für Plan oder für Planlosigkeit? Entscheidet sich vielleicht daran, ob am Ende der Text gut ist?

Privat gab es dieses Jahr mindestens einen ziemlich eindeutig planvollen Annäherungsversuch von weiblicher und übrigens toller und schmeichelhafter Seite. Aber ich glaube, ich suche einfach nicht.

Wieder Politik: Zum Umgang mit AfD und Migrationsskeptikern passt das Plan-Thema gut. Denn es gibt einerseits Ansätze, dem Erstarken der Rechten mit Konzept zu begegnen, und darunter den der Stigmatisierung. Rechts darf nicht normal werden und daher auch kein Teil des Diskurses, so ungefähr lautet das Rezept, und mir liegt fern, es abzulehnen. Reserviert bin ich aber aus zwei Gründen: Einem persönlichen rund um eine Antifa-Aktion in Wuppertal. Und einer Beobachtung – der nämlich, dass die Front sich Feinde macht. Für die es dann erst sexy wird, durch AfD-Wahl den Rebellen kontra Front zu mimen. Und soweit ein Konzept aus lauter Plan sein eigenes Angriffsziel stärkt, ist es schräg, eigentlich ein Bärendienst. [Antifa-Beitrag bis PRIMA KLIMA. Dann evtl wieder springen zu NL, Fail, engels … dann evtl zu Textgebastel] In einem mir lieben Elberfelder Café sprengten Antifa-Aktive eine Diskussionsrunde, weil auch Vertreter der AfD geladen waren. Ich kommentierte zwar maßvoll, dennoch entsetzt, und Anstoß nahm ich ein wenig am Plan, am disziplinierten Wenn-Dann-Denken.

Auszug: Finden kann man so vieles, auch falsch finden darf jeder diesen Ansatz oder jenen, soviel er mag. Strategen freilich können nichts bloß finden, denn sie sind Kriegsherren. Oft mit komplett vernünftigen Zielen.

https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1168968886545883

Freilich bin ich auch einfach Freund des Ladens und überdies harmoniebedürftig. Gegen Jahresende dann schrieb ich den Aufmacher zu einem ganz anderen Thema, dem Klimaschutz zum Anlass Weltklimakonferenz. Ein Bogen vielleicht oder eine Selbstkorrektur – denn vor Plan zieht er den Hut. Vielleicht, vielleicht ist es ja wirklich so, liebe Antifa: Engagement braucht Einseitigkeit; Aktion ist gar nicht möglich, ohne anmaßend zu sein.

Auszug: Moralisieren als menschliche Grundkonstante – diese Analyse der Alarmisten macht Spaß und ist verführerisch.

Das sind alles schöne Überlegungen. Tückisch wird das Psychologisieren allerdings, wenn es den praktischen Blick überlagert. In Bonn demonstrierten auch Vertreter der Mapuche, indigener Volksgruppen, die ihr Land, ihren Lebensraum ganz unpsychologisch wegbröckeln sehen. Die Wochenzeitung „der Freitag“ regte an, FDP-Chef Lindner möge diesen Menschen doch einmal ins Gesicht sagen, „dass der Tagebau nicht geschlossen werden kann, weil die Strompreise steigen würden.“ Und so bleibt denn guter Wille, vor allem aktives Handeln unverzichtbar, selbst wo es nach Spaßbremse riecht. Solange Menschen aus Gedankenlosigkeit die Umwelt zerstören, braucht es Plan dagegen, von Bürgern wie Politik, Sharern wie Konferenzlern.

https://www.engels-kultur.de/das-klima-zwischen-wille-und-bloedheit

 

Völlig ohne Zusammenhang ein Lieblingstext dieses Jahr: „Facebook ist Blödsinn„, auf Facebook veröffentlicht. Soziale Medien als Ort, ich möchte sagen HORT, von planlos. Ach ja: Auch Blogs wie dieser. Businesspeople, Finger weg!

Smiley.


PS Dieser Text enthält eine fahrlässig nicht getilgte interne Klammernotiz.

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FAHRLÄSSIG FEIERN

Ich habe noch nie etwas gefeiert. Genauer: Ich habe den Ausdruck „Ich feiere xy“ noch nie verwendet, außer es ging um meinen Geburtstag oder sowas. Seit Mitte 2013, einer Angabe, die ich soeben eigenhändig erfunden habe, wird er zudem verwendet im Sinne von „etwas enthusiastisch gutheißen“, was ja auch ein wenig unsexy klingt. Um mal was zu wagen, feiere ich hiermit fahrlässig den Film „Axolotl Overkill“. Fahrlässig ist das insofern, als ich den Film gar nicht gesehen habe und auch den Roman nicht kenne. Fahrlässigkeit hat aber eigentlich immer meinen Respekt, sogar Verursacher fahrlässiger Unfälle, die haben nämlich in der Regel einfach sehr viel Pech gehabt.

Diese hier ist aber harmlos und hat immerhin ein Gespräch der tollen Bianca Hauda mit der Hauptdarstellerin auf ihrer Seite, ich glaube, sie heißt Jasna Fritzi Bauer. Mein Schreibprogramm erklärt soeben beide Vornamen letzterer Dame (wie auch den Nachnamen der ersteren) für nichtexistent, was ich gut verstehe, aber gleichfalls wild in Kauf nehme. Mein Feiergrund ist bis auf Weiteres, dass diese Schauspielerin in dem Interview vorige Woche mehrere schöne Dinge gesagt hat. Erstens dass sie ihre eigenen Hörbücher nicht leiden kann, wenn sie später mal reinhört: „Furchtbar! Wer kauft so was?“ Freundlich musste diese sympathische Frau sich zureden lassen, sich in diesem Moment nicht für sämtliche künftigen Hörbuchaufträge unmöglich zu machen. Der zweite Satz bezog sich auf ihre halb-chilenische Herkunft und lautete: „In Chile würde ich mich gerne mal bei irgendwelchen Verwandten einzecken und denen auf den Sack gehen.“ Fand ich relativ lustig. Eigene Hörbücher habe ich zwar erst wenige und chilenische Verwandtschaft sogar nahezu überhaupt keine, aber eine Gemeinsamkeit immerhin haben Frau Bauer und ich, falls sie denn so heißt und ich das richtig verstanden habe: Auch sie hat den Roman bisher irgendwie noch nicht gelesen.

Gehen muss es in Buch wie Film ja ungefähr ums Heranwachsen, ums Nicht-Heranwachsen und um eine egomane Umgebung einer egomanen Heranwachsenden. Themen, die mich interessieren. Wissen tu ich vom Roman sonst nur, dass es zur Zeit seines Hypes eine Lesung daraus hier am Theater gab, die in meiner Erinnerung Coolness und Verruchtheit atmete. Weniger cool war eine Debatte damals, in der ein mir ansonsten unbekannter Blogger sich kurzzeitig über Interesse freuen konnte, weil ihm Plagiatsvorwürfe gegen die Autorin geglückt waren. Bin mir bewusst, dass dieser Satz komplett tendenziös ist, aber wenn schon fahrlässig, dann richtig. Ich bin ein Freund davon, in Internetzeiten das Verständnis von Eigentum zu modifizieren. Mit schiefen Klau-Kategorien, als wären Worte Autos oder Äpfel, war schon rund um Guttenberg zuviel Detektivisches zu hören.

Für das Urheberrechtsding nun die Verfilmung zu feiern, wäre freilich selbst mir zu schräg, daher beschränke ich mich darauf, sie DAFÜR nur gutzuheißen, vorsorglich aber nicht enthusiasisch. Wortrecht statt Filmtipp, fröhliche Willkür: Wollen ja nicht übertreiben.

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Schlaue Gespräche (mit Schluss zum Selberbasteln)

A: Wollten Sie auch zu Doktor Broselmann?
B: In der Tat, doch er scheint nicht da zu sein. Die Praxistür ist zu.
A: Haben wir etwa Mittwoch? Mittwochs haben Ärzte doch Urlaub.
B: Ich bitte Sie.
A: Verzeihung, vielleicht waren es auch Friseure.
B: Ein weit verbreiteter Irrtum. Keineswegs haben Ärzte mittwochs Urlaub, Friseure ebenso wenig. Neuere Studien haben gezeigt, dass umgekehrt zum Beispiel Müllmänner nicht nur einmal die Woche arbeiten, obwohl dies dem Bürger vorgegaukelt wird. Bei mir etwa kommen sie dienstags. Und gaukeln.
A: Ach, Studien! Die sind doch gekauft, sagen Sie mal.
B: Aha. Postfaktisch also.
A: Doktor Broselmann ist jedenfalls tatsächlich nicht da.
B: Der einfache Zeitgenosse sperrt sich den Erkenntnissen der Wissenschaft.
A: Und wissen Sie was? Ich gönne ihm seinen Urlaub!
B: Jetzt werden Sie mal nicht frech.
A: Vielleicht haben sie das auch zusammengelegt mit den Ruhetagen.
B: Nun gut. Ich will es Ihnen begreiflich machen. Kennen Sie die Boole’schen Operatoren?
A: Doktor Broselmann operiert ja gar nicht. Er ist doch kein Chirurg.
B: Alternativ geht auch Murphy’s Law, das Freud’sche Paradoxon oder die Heinemann’sche Unschärferelation.
A: Die feinen Herren.
B: Das können Sie alles ganz leicht selbst anwenden, um einmal an Ihren beschränkten Horizont zu appellieren: Was wäre denn, wenn Ärzte und Friseure am selben Tag zu hätten?
A: Alles zu!
B: Unsinn. Kein Arzt könnte jemals zum Friseur.
A: Ich behaupte, Doktor Broselmann könnte Langhaar sehr gut tragen.
B: Dies glaubt der Laie. Vielleicht haben Sie aber schon von den strengen Hygienemaßregeln für Mediziner gehört. Bereits in der Ausbildung muss jeder Arztanwärter ein hochkompliziertes Gesundheitszeugnis erwerben, und die Aufgaben zur Haarhygiene sind besonders schwer. Allein das Kapitel „Shampoos im Lichte des Volumens“ bringt neunzehn Punkte. Selbst Sie erahnen vielleicht, wie fatal es ist für junge Ärzte, hier nicht bestens präpariert zu sein.
A: Langsam staune ich aber doch über Ihr umfassendes Wissen.
B: Dankesehr. Das wollte ich hören.
A: Andererseits wäre es doch schlau, wenn eine Arztpraxis auf hätte, wenn alle anderen schließen. An dem Tag wäre da Hochbetrieb, das kann ich Ihnen aber sagen.
B: Antizyklisch, wie wir Lateiner sagen.
A: Und umgekehrt. So statt „Was Friseure können, können nur Friseure“ könnte der dann sagen: „Mittwochs schließen können auch Friseure.“ Oder: „Der Friseur Ihres Vertrauens: So zu wie ein Arzt.“
B: Dies klingt aber nach Medikamentenmissbrauch. Immer mehr Ärzte greifen selbst ins Schränkchen. Abschreckend und somit ganz untauglich aus Sicht des Marketingexperten. Ein Zugeständnis an Ihre Bemühungen: Ein derartiges Vorgehen könnte durchaus neue Kundenschichten erschließen.
A: Die Ärzte, denen Langhaar steht? Für die wären geschlossene Friseurläden ja DER Hotspot.
B: Nicht nur. Sie sollten wissen: Das Konzept des Pop-up-Stores generiert Kundschaft durch zeitliche Verknappung. Die Arztpraxis könnte umgekehrt jede Woche in der Lokalpresse inserieren und einen anderen Ruhetag ausrufen.
A: So „Jetzt aber schnell! Nur diese Woche montags geschlossen.“
B: Ich sehe, Sie verstehen. An diesem einen Montag kämen dann aus der ganzen Stadt die Angstpatienten.
A: Weil die ja froh sind, wenn zu ist.
B: Lassen Sie uns dies morgen Doktor Broselmann vorschlagen. Fachwissen trifft bauernschlau, wie wir Lateiner sagen. Immer mehr Ärzte [hier irgendeine schlaue Phrase über heutige Ärzte einfügen, etwa „werden gebraucht in ländlichen Gebieten“, „öffnen sich der Alternativmedizin“, „sind übermüdet durch Bereitschaftsdienst“, „kriegen den Hals nicht voll“, „verschreiben Generika“, „züchten Geranien“, „haben einen Hund“ etc.].
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