Zeitgemäß? Wer’s braucht…

Dass alles seine Zeit habe, ist eine gute Weisheit für Leute mit Struktur. Menschen, die klare Ordnung schätzen, werden alterstypisches Verhalten loben und es eher tadeln, wenn nicht mehr Jugendliche Jugendsprache verwenden. Wer indes kein Ideal darin sieht, dass sein Leben sich in Berufsalltag und Familiengründung einpendeln sollte, hat zu solchem Denken in Lebensabschnitten freilich weniger Anlass, vielleicht auch weniger Bedarf. Es liegt nahe zu vermuten, dass es die gleichen Menschen sind, die es ablehnen, nach elf Uhr noch zu frühstücken. Müsli um zwölf oder Croissant à midi, das ist in der Tat etwas unseriös und erlaubt Zweifel am Bewusstsein für den Ernst der Lage. Wem das allerdings egal ist und das Morgenmahl nicht nur nach Uhrzeit schmeckt, der darf auch beim Lebensalter vom süßen Pflänzchen Indifferenz kosten, ohne das Gesicht zu verziehen und sich pflichtgemäß zu schütteln.

Neulich gab es einen Film über den Alkoholkonsum junger Leute, und wer sich so etwas ansieht, wird sich selbst zu nicht jungen und die jungen zu grundsätzlich erst einmal fremden Leuten zählen. Derlei Selbstverständnis erklärt sich schnell bei gesetzten Zeitgenossen mit Festjob und Kindern, die in ihrer Rolle aufgehen. Beim Rest freilich scheint es etwas lahm, sein Verhältnis zur Welt vom Tacho abhängig zu machen, vom Fortgang der Zeit, dem das eigene Leben sonst kaum entspricht. Peinlich sei das, jung zu reden oder sich zu kleiden, sobald irgendein seriöses Alter erreicht ist? Künstler und Freigeister für unkonventionelles Tun loben, aber über junges Verhalten über 18 oder 48 die Nase rümpfen – das ist eine traurige Inkonsequenz.

Die doofen unter den Modemätzchen dissen zum Glück auch coole Zwanzigjährige – Spott über Netz- und Selfiesucht ist bei Poetry-Slammern keine Seltenheit. Die freilich kriegen bei den strengen Mahnern des „Handle altersmäßig!“ wahrscheinlich ihrerseits Schläge. Um alberne Auswüchse der Jugendkultur nicht zu feiern, braucht man keine vierzig zu sein. [Blödes Reden wie „Isch geh Bahnhof“ zum Beispiel.] Das Wörterbuch der Jugendsprache dagegen listet ja offenbar kein reales Reden junger Leute, sondern ist Produkt fabulierender Forscher, die ihre lustigen Ideen bei einer ihnen fremden Gruppe namens „Jugend“ verorten, deren Existenz sie damit ebenso zementieren wie ihre Einschätzung, selbst natürlich zu einer ganz anderen zu gehören. Über Lessing berichtet ein Zeitgenosse empört, er habe den Dichter zuweilen noch um zehn Uhr morgens im Bett erwischt. Nicht auszudenken, sollte er beim Morgenkaffee zu Mittag auch noch jugendliches Zeug geredet haben.

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Profis. Ein Rundumschlag

Profidenke: Ein Thema für sich. Ein Thema für mich? Das zuallermindest. Gemessen an meinen schon zahlreichen Notizen dazu, die hier einfach einmal versammelt seien.


 

Nein, was Friseure können, können nicht nur Friseure. Nein, auch Stadtwerke sind nicht per definitionem unfähig zu witzigen Kampagnen. Nein, es ist nicht unmöglich, auch als Jobstudent vernünftig zu bedienen statt mit dreijähriger Kellnerausbildung.

Auf Profitum beharren und zwar wider besseres Wissen: Das sehe ich auch beim Texten, und da sogar besonders leicht erklärbar: Mit großer Geste wies einmal eine Kollegin im Texterbüro eine Onlineplattform für Texterdienste von sich, insbesondere dort verfasste Texte als Bewerbungsreferenz. Solche Internetdienste sind in der Tat Beispiel für ein anderes Phänomen unserer Zeit, nämlich das (netzgestützte) Dumping. Mangelnde Fachlichkeit aber gleichzusetzen mit fehlender Qualität, das ist: Wunschdenken. Wunschdenken von Kellnern, Textern, Handwerksmeistern, die via „FACHMANN!“-Label Platzhirsch bleiben wollen.

Logisch kann es selbstverständlich kein Qualitätskriterium für einen Text sein, wo er entstanden oder erschienen ist. Die Ablehnung zeigt daher umso klarer die freilich schiefe Vehemenz: Besonders bei Diensten, die faktisch und ganz unbetreitbar eben doch auch von „Ungelernten“ übernommen werden könnten, ist das Beharren so verständlich – und so durchsichtig. Profis beharren auf Profitum weil sie Felle davonschwimmen sehen. Nicht weil es sachlich nötig wäre.


 

Die eher hausaufgabenmäßigen unter meinen Zeitungsterminen SIND überhaupt die professionellen, oder? Passt übrigens: Schüler sein ist ja auch eine Profession.


 

Dass professionelle Bühnen etwas völlig anderes tun als Privattheater, ist nicht so sehr Tatsache, aber eine wichtige Setzung. Was etwa in Endproben an sozialen Prozessen stattfinden kann, unterscheidet sich einfach nicht anhand der Organisationsform (Sttathstheater? Unitruppe? Boulevardbühne?) Die dennoch wichtige Setzung kommt vom Selbstverständnis, dass nur öffentliche Theater nach Gutdünken KUNST MACHEN können, weil sie nicht nur vom Gefallen leben. Als Bekenntnis zum Konzept Stadttheater ist diese Setzung wertvoll, bloß entspringt sie mehr einem Beschluss als den Umständen. Rundheraus Ähnlichkeiten zu leugnen, ist realitätsfern, dafür aber menschlich und idealistisch.


 

Nichtfachlichkeit mögen. Briefträgerinnen etwa, deren Körperhaltung zu sagen scheint: „Doll find ich das nicht, hier den Handkarren mit den Umschlägen oder was durch die Gegend zu schieben. Aber muss ja, irgendwas.“ Und eben grad vom stolzen Gestus genervt sein, mit dem sich Vollblutler in die Brust werfen:

© Was XYler können, können nur XYler!

© Dienstliche Kassierermiene solange sich Kunde nähert – ist ja Gegenseite!

© Zahnpastagrinsen als part of the job – abstellen sobald Feierabend!

© Als Marketingexperte sage ich euch…!

Irgendwer mit etwas Durchblick, Händchen für Bedarf x reicht oft einfach. Bietet freilich Menschen, die für sich selbst eine Rolle brauchen und das ausgerechnet beim Broterwerb mitabdecken wollen, nicht so schön Gelegenheit zur Selbstprofilierung.


 

Nicht nur Kellner und Friseure: Wer Profidenke doof findet, sollte auch vor dem „eigenen Metier“ nicht haltmachen. Zwischen einem aus Pflicht zusammengeschusterten Artikel und einem guten Leserbrief ist äußerlich der einzige Unterschied, dass es für den ersten Geld gibt. Sonst ähneln sie sich zuweilen wie ein Ei dem anderen.

Passt übrigens: IM GRUNDE SIND PROFIS BIOHÜHNER. Denn der Unterschied ist vor allem auf Produzentenseite interessant: Biohühner kriegen zwar kein Honorar, aber idealerweise erträgliche Lebensbedingungen. Das aber ihre Eier für den Esser gesünder sind und Profitexte für den Leser ertragreicher, ist weniger Fakt als Wunsch; daran muss man schon ein bisschen glauben.


 

Professionell hat zwei Bedeutungen: ICH HAB KRASSE SKILLS. Und: ICH BRAUCHE IHR GELD. Beides mag oft zusammenkommen, aber es sind einfach zwei verschiedene Dinge.

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Daumen hoch für planlos: Mein Rückblick 2017

Krasse Planung. Am Bahnhof kurz nach Weihnachten gezielt die Abfahrtszeit checken, erknobeln, dass es für einen Kaffee reicht, und diesen nach Kauf erst leeren, um dann am Ticketautomat die Hand frei zu haben: Für mich das reine Konzept. Wie planlos man ist, zeigt sich deutlich im Umgang mit anderen, und das kann peinlich sein, aber kokett gewendet auch Spaß machen: ‚Ich habe die Mitnahme eines Regenschirms vorsätzlich in ein kausales Verhältnis zum Wetterbericht gesetzt, statt diese Radiorubrik wie jedermann nur als retardierendes Moment zwischen Nachrichten und Musikprogramm abzuwarten!‘ Mit Ahnungslosigkeit irritieren kann sehr schön sein.

Keinen Plan haben: Das soll mein loses Motto über 2017 sein, und immerhin für diesen Text passt es dann ja gar nicht, denn Motto ist Plan, zumindest Rahmen; aber füllen lässt ein Rahmen sich doch so spontan bis sprunghaft, wie man lustig ist.

Bild könnte enthalten: im Freien

Plan gilt als Maß aller Dinge, planlos als unprofessionell und Nichtprofi als peinlich. Ich breche hiermit eine Lanze für den Berliner Flughafen,  bei dem die Empörung sich ja längst verselbständigt hat zum wohligen Spott über Dilettantismus. Profi geht mir auf die Nerven.

Sprung also zum Thema Profidenke, das mich schon lange umtreibt. Darunter: „Journalistisch schreiben“, ein weites Feld. Doch gleich wie weit: Gerne erlaube ich mir und mute anderen zu, mich nicht ständig zu fragen: Stehe ich auf dem J-Boden, auf einem anderen oder wo sonst? Nicht erst seit ich bei Joseph Roth (Weihnachtsgeschenk) derzeit Bedenkenswertes zu literarischem Journalismus lese. Im November habe ich eine Journalismuskonferenz besucht und mich dort für die Rolle der Presse gegenüber Lesern wie auch Akteuren interessiert, zufällig nur Tage darauf gab ein Künstlerkreis lokalen Zeitungsleuten ziemlich selbstbewusst zu verstehen, wo deren Rolle im Kulturleben sei.  Hier kurz dies: Termine wie diese sind wichtig zur Standortbestimmung der Presse – egal wie sehr ich mich selbst zu dieser zähle. Medienskepsis ist ja ein Komplex, der dieses Jahr sehr überindividuell wirksam war: Das Kreisen um die AfD schien die Bundestagswahl zu bestimmen, das Kreuzchen bei dieser Partei Zeichen gegen unser System und die Medien als angeblichen Teil davon. Womit denn ein politisches Topthema 2017 hiermit auch schon untergebracht wäre.

Auch nicht ganz planvoll:

Ende Exkurs.

Obwohl, Stopp noch: Unseriös ist natürlich auch, Filmbesprechungen zu schreiben über Filme, die man gar nicht gesehen hat, wie diese: https://artikuliert.wordpress.com/2017/07/03/fahrlaessig-feiern-ich-habe-noch-nie-etwas-gefeiert-genauer-ich-habe-den-ausdruck-ich-feiere-xy-noch-nie-verwendet-ausser-es-ging-um-meinen-geburtstag-oder-sowas-seit-mitte-201/

Jetzt aber Fortsetzung „J-Label und andere„: Beim erwähnten Künstlertreff war ich froh, als Kulturinteressierter eingeladen zu sein, nicht nur als „irgendwer mit Medien“. Dem vorausgegangen war eine Begebenheit früh im Jahr, als ich für die Zeitung eine Vernissage besuchte: Eine Frau sprach mich nett an, ich sei ja sicher auch Künstler, und ich musste zerknirscht gestehen: Eigentlich nur Presse. (Natürlich anders formuliert, man weiß sich ja zu benehmen; vor allem wenn plötzlich der Zeitungschef hinter mir gestanden hätte, den ich bis heute nicht kenne und vielleicht auch nicht kennen muss.) Aus der Liste der Kulturnetzwerk-Kandidaten hatte ich mich damit aber nicht katapultiert – das zeigte sich später zu meiner Freude und Genugtuung. Denn es stimmt ganz allgemein: Unter meinen „Kulturterminen“ sind nichtdienstliche mir vielfach die liebsten. Außerplanmäßig.

Beispiel Anfang des Jahres: Eine mir bekannte Regisseurin traf ich zum Essen und schaute mir danach endlich ihre aktuelle Inszenierung an, aus Privatinteresse. Geschrieben, da kann ich wohl nicht aus meiner Haut, habe ich trotzdem etwas dazu: Notizen, assoziativ, planlos. Aber: oder auch: Daher: Sie schien sich verstanden zu fühlen und schrieb zurück: „Ich habe mich so sehr über deine Bemerkungen gefreut!!“ Solche Reaktionen hört man nicht so häufig als Journalist, während er Journalist sein will. (Genau dann würde es übrigens tatsächlich nicht passen.)

Ein anderer Theaterbesuch nach Gutdünken war das Bochumer „Theatertexte NL“, zu dem ich nachher Eindrücke im Blog eines Freundes loswurde und dort programmatisch schrieb:

„… So ein Wochenende mit Gesprächen und szenischen Lesungen ist schon etwas „special interest“ und schmeichelt ein bisschen dem Aficionado im Besucher. … Nach Ende eines Stücks gemeinsam zum Talk ins Tanas zu gehen und dann wieder zurück, ist so ein schönes Element, das solch ein Format vom normalen Theaterbesuch unterscheidet.“

Und dann zum Auftritt: „…Nicht komplett, nicht so perfekt – das mögen heute Eigenschaften sein, die auch sonst beim Theater manch gute Anregung geben könnten.“

http://fischpott.com/theatertexte-nl/

Fall drei dann gänzlich ungeplant, zumindest von meiner Seite: In einer schummrigen Kultkneipe lasen zwei Schauspielerinnen Texte, und ich haute was ins Facebook.

… Obszön: sehr. Derb: null.
Die wollen nur spielen! Das ist so ein schöner Eindruck, der sich von Theaterleuten bei solch engen Off-Auftritten vielleicht am besten einstellt, spätestens wenn plötzlich auch noch der Intendant sich vom Nebentisch einschaltet und laut von seinen Frauengeschichten erzählt.

https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1457254557717313?pnref=story

Hauzeit halb drei nachts, und Österreichs Rechtsruck kam auch noch zu seinem Recht, weil zum Rechner die Zwei-Uhr-Nachrichten liefen. Und weil halt Ösi-Schummertexte. Dienstlich: null. Schön: sehr.

Um dann auch zu schließen mit Kulturzeug: Ist denn Offenheit für Unerwartetes aka Planlos nicht eine ganz wesentliche künstlerische Grundhaltung?

An der linken Seitenwand hängen Darstellungen von Planeten, und ihr Material ist interessant: Die Künstlerin besitzt eine Sammlung aus Hunderten Fotos und wählte daraus einige, die durch kreisrundes Ausschneiden nun Neptun oder Uranus ähneln. Was heute als farbige Struktur eines Planeten erscheint, war demnach ursprünglich die Aufnahme von etwas sehr Irdischem – etwa einem Wasserschaden in ihrem Atelier. Wenn man so will: Ein ästhetisch günstiger Zufall.

http://www.wz.de/lokales/wuppertal/kultur/kuenstlerin-heike-pallanca-macht-die-galaxie-anschaulich-1.2431822

(Ein Beitrag von mir, der dieses Jahr jedenfalls gelobt wurde.)

Stichwort NL, leider: Mein Beitrag zu „Theatertexte NL“ ist in meinen inneren Annalen auch verknüpft mit einem Fail Of Fails Of The Year. Angefügt hatte ich ihn meiner Bewerbung für eine Mitarbeit in der Dramaturgie an Olaf Kröcks Schauspielhaus Bochum. Kurz gesagt: Das Lesen seiner Mails wegen möglicher Einladungen zum Vorstellungsgespräch sollte man manchmal nicht auf nächste Woche verschieben, weil die dann überholt sein könnten. War dann auch so. Planlos bringt’s nicht immer. Lektion gelernt …

Zu viel Plan macht aber auch suspekt, da bleibe ich stur:

Zur Bundestagswahl begann die lokale SPD sehr früh, sehr massiv und sehr überlegt, ihren neuen Kandidaten aufzubauen. In mehreren Schritten, mit einheitlichen Plakaten, Ansprache… Corporate Design, nichts weniger. Für mich zu viel: Mehr weil der Overkill  mich nervte als aus politischen Gründen, habe ich Helge Lindh nicht gewählt. Und das mag als Wahlmotiv seinerseits natürlich unreif sein – aber, Vorschlag zur Güte: Wenn gute Parteien im Internet blöde Slogans posten und nach Klicks gieren, kriegen sie vielleicht TROTZDEM meine Stimme. Aber nicht mein Like.

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Fast hätte ich alter Sturkopf mich dann vom überraschend zielstrebigen Auftritt abhalten lassen, ein tolles soziales Projekt gut zu finden – ließ mich zum Jahresende aber dann doch noch überzeugen: https://www.engels-kultur.de/cookin-hope-swane-cafe-wuppertal „Robuste Anweisungen“, „Rezept“,“recht routiniert“: „Das wird es brauchen.“ Das war durchaus reserviert gemeint, doch es geht ja um was.

BREAK! CUT! THEMENWECHSEL! Lieblingssatz, meiner, einer:

Zootiere sperren Menschen ein, im Bild dazu wird ein lethargischer Riese von einem Mini-Tuffi getriezt. Kurz: Die Welt ist voller Kämpfe, Krämpfe und Genitalien. Schön ist das nur manchmal.

Da dieser Rückblick keineswegs nur privat sein soll, muss wieder Politik her, und Grund gab es ja genug. Medienskepsis ist ja ein Komplex, der dieses Jahr sehr überindividuell wirksam war: Das Kreisen um die AfD schien die Bundestagswahl zu bestimmen, das Kreuzchen bei dieser Partei Zeichen gegen unser System und die Medien als angeblicher Teil davon. Womit denn ein politisches Topthema 2017 hiermit auch schon untergebracht wäre.

Wer den vorigen Abschnitt schon kennt, braucht nicht Guttenplag zu alarmieren – ich weiß einfach noch nicht, wo er am besten passt. Beispiel für Plan oder für Planlosigkeit? Entscheidet sich vielleicht daran, ob am Ende der Text gut ist?

Privat gab es dieses Jahr mindestens einen ziemlich eindeutig planvollen Annäherungsversuch von weiblicher und übrigens toller und schmeichelhafter Seite. Aber ich glaube, ich suche einfach nicht.

Wieder Politik: Zum Umgang mit AfD und Migrationsskeptikern passt das Plan-Thema gut. Denn es gibt einerseits Ansätze, dem Erstarken der Rechten mit Konzept zu begegnen, und darunter den der Stigmatisierung. Rechts darf nicht normal werden und daher auch kein Teil des Diskurses, so ungefähr lautet das Rezept, und mir liegt fern, es abzulehnen. Reserviert bin ich aber aus zwei Gründen: Einem persönlichen rund um eine Antifa-Aktion in Wuppertal. Und einer Beobachtung – der nämlich, dass die Front sich Feinde macht. Für die es dann erst sexy wird, durch AfD-Wahl den Rebellen kontra Front zu mimen. Und soweit ein Konzept aus lauter Plan sein eigenes Angriffsziel stärkt, ist es schräg, eigentlich ein Bärendienst. [Antifa-Beitrag bis PRIMA KLIMA. Dann evtl wieder springen zu NL, Fail, engels … dann evtl zu Textgebastel] In einem mir lieben Elberfelder Café sprengten Antifa-Aktive eine Diskussionsrunde, weil auch Vertreter der AfD geladen waren. Ich kommentierte zwar maßvoll, dennoch entsetzt, und Anstoß nahm ich ein wenig am Plan, am disziplinierten Wenn-Dann-Denken.

Auszug: Finden kann man so vieles, auch falsch finden darf jeder diesen Ansatz oder jenen, soviel er mag. Strategen freilich können nichts bloß finden, denn sie sind Kriegsherren. Oft mit komplett vernünftigen Zielen.

https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1168968886545883

Freilich bin ich auch einfach Freund des Ladens und überdies harmoniebedürftig. Gegen Jahresende dann schrieb ich den Aufmacher zu einem ganz anderen Thema, dem Klimaschutz zum Anlass Weltklimakonferenz. Ein Bogen vielleicht oder eine Selbstkorrektur – denn vor Plan zieht er den Hut. Vielleicht, vielleicht ist es ja wirklich so, liebe Antifa: Engagement braucht Einseitigkeit; Aktion ist gar nicht möglich, ohne anmaßend zu sein.

Auszug: Moralisieren als menschliche Grundkonstante – diese Analyse der Alarmisten macht Spaß und ist verführerisch.

Das sind alles schöne Überlegungen. Tückisch wird das Psychologisieren allerdings, wenn es den praktischen Blick überlagert. In Bonn demonstrierten auch Vertreter der Mapuche, indigener Volksgruppen, die ihr Land, ihren Lebensraum ganz unpsychologisch wegbröckeln sehen. Die Wochenzeitung „der Freitag“ regte an, FDP-Chef Lindner möge diesen Menschen doch einmal ins Gesicht sagen, „dass der Tagebau nicht geschlossen werden kann, weil die Strompreise steigen würden.“ Und so bleibt denn guter Wille, vor allem aktives Handeln unverzichtbar, selbst wo es nach Spaßbremse riecht. Solange Menschen aus Gedankenlosigkeit die Umwelt zerstören, braucht es Plan dagegen, von Bürgern wie Politik, Sharern wie Konferenzlern.

https://www.engels-kultur.de/das-klima-zwischen-wille-und-bloedheit

 

Völlig ohne Zusammenhang ein Lieblingstext dieses Jahr: „Facebook ist Blödsinn„, auf Facebook veröffentlicht. Soziale Medien als Ort, ich möchte sagen HORT, von planlos. Ach ja: Auch Blogs wie dieser. Businesspeople, Finger weg!

Smiley.


PS Dieser Text enthält eine fahrlässig nicht getilgte interne Klammernotiz.

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FAHRLÄSSIG FEIERN

Ich habe noch nie etwas gefeiert. Genauer: Ich habe den Ausdruck „Ich feiere xy“ noch nie verwendet, außer es ging um meinen Geburtstag oder sowas. Seit Mitte 2013, einer Angabe, die ich soeben eigenhändig erfunden habe, wird er zudem verwendet im Sinne von „etwas enthusiastisch gutheißen“, was ja auch ein wenig unsexy klingt. Um mal was zu wagen, feiere ich hiermit fahrlässig den Film „Axolotl Overkill“. Fahrlässig ist das insofern, als ich den Film gar nicht gesehen habe und auch den Roman nicht kenne. Fahrlässigkeit hat aber eigentlich immer meinen Respekt, sogar Verursacher fahrlässiger Unfälle, die haben nämlich in der Regel einfach sehr viel Pech gehabt.

Diese hier ist aber harmlos und hat immerhin ein Gespräch der tollen Bianca Hauda mit der Hauptdarstellerin auf ihrer Seite, ich glaube, sie heißt Jasna Fritzi Bauer. Mein Schreibprogramm erklärt soeben beide Vornamen letzterer Dame (wie auch den Nachnamen der ersteren) für nichtexistent, was ich gut verstehe, aber gleichfalls wild in Kauf nehme. Mein Feiergrund ist bis auf Weiteres, dass diese Schauspielerin in dem Interview vorige Woche mehrere schöne Dinge gesagt hat. Erstens dass sie ihre eigenen Hörbücher nicht leiden kann, wenn sie später mal reinhört: „Furchtbar! Wer kauft so was?“ Freundlich musste diese sympathische Frau sich zureden lassen, sich in diesem Moment nicht für sämtliche künftigen Hörbuchaufträge unmöglich zu machen. Der zweite Satz bezog sich auf ihre halb-chilenische Herkunft und lautete: „In Chile würde ich mich gerne mal bei irgendwelchen Verwandten einzecken und denen auf den Sack gehen.“ Fand ich relativ lustig. Eigene Hörbücher habe ich zwar erst wenige und chilenische Verwandtschaft sogar nahezu überhaupt keine, aber eine Gemeinsamkeit immerhin haben Frau Bauer und ich, falls sie denn so heißt und ich das richtig verstanden habe: Auch sie hat den Roman bisher irgendwie noch nicht gelesen.

Gehen muss es in Buch wie Film ja ungefähr ums Heranwachsen, ums Nicht-Heranwachsen und um eine egomane Umgebung einer egomanen Heranwachsenden. Themen, die mich interessieren. Wissen tu ich vom Roman sonst nur, dass es zur Zeit seines Hypes eine Lesung daraus hier am Theater gab, die in meiner Erinnerung Coolness und Verruchtheit atmete. Weniger cool war eine Debatte damals, in der ein mir ansonsten unbekannter Blogger sich kurzzeitig über Interesse freuen konnte, weil ihm Plagiatsvorwürfe gegen die Autorin geglückt waren. Bin mir bewusst, dass dieser Satz komplett tendenziös ist, aber wenn schon fahrlässig, dann richtig. Ich bin ein Freund davon, in Internetzeiten das Verständnis von Eigentum zu modifizieren. Mit schiefen Klau-Kategorien, als wären Worte Autos oder Äpfel, war schon rund um Guttenberg zuviel Detektivisches zu hören.

Für das Urheberrechtsding nun die Verfilmung zu feiern, wäre freilich selbst mir zu schräg, daher beschränke ich mich darauf, sie DAFÜR nur gutzuheißen, vorsorglich aber nicht enthusiasisch. Wortrecht statt Filmtipp, fröhliche Willkür: Wollen ja nicht übertreiben.

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Schlaue Gespräche (mit Schluss zum Selberbasteln)

A: Wollten Sie auch zu Doktor Broselmann?
B: In der Tat, doch er scheint nicht da zu sein. Die Praxistür ist zu.
A: Haben wir etwa Mittwoch? Mittwochs haben Ärzte doch Urlaub.
B: Ich bitte Sie.
A: Verzeihung, vielleicht waren es auch Friseure.
B: Ein weit verbreiteter Irrtum. Keineswegs haben Ärzte mittwochs Urlaub, Friseure ebenso wenig. Neuere Studien haben gezeigt, dass umgekehrt zum Beispiel Müllmänner nicht nur einmal die Woche arbeiten, obwohl dies dem Bürger vorgegaukelt wird. Bei mir etwa kommen sie dienstags. Und gaukeln.
A: Ach, Studien! Die sind doch gekauft, sagen Sie mal.
B: Aha. Postfaktisch also.
A: Doktor Broselmann ist jedenfalls tatsächlich nicht da.
B: Der einfache Zeitgenosse sperrt sich den Erkenntnissen der Wissenschaft.
A: Und wissen Sie was? Ich gönne ihm seinen Urlaub!
B: Jetzt werden Sie mal nicht frech.
A: Vielleicht haben sie das auch zusammengelegt mit den Ruhetagen.
B: Nun gut. Ich will es Ihnen begreiflich machen. Kennen Sie die Boole’schen Operatoren?
A: Doktor Broselmann operiert ja gar nicht. Er ist doch kein Chirurg.
B: Alternativ geht auch Murphy’s Law, das Freud’sche Paradoxon oder die Heinemann’sche Unschärferelation.
A: Die feinen Herren.
B: Das können Sie alles ganz leicht selbst anwenden, um einmal an Ihren beschränkten Horizont zu appellieren: Was wäre denn, wenn Ärzte und Friseure am selben Tag zu hätten?
A: Alles zu!
B: Unsinn. Kein Arzt könnte jemals zum Friseur.
A: Ich behaupte, Doktor Broselmann könnte Langhaar sehr gut tragen.
B: Dies glaubt der Laie. Vielleicht haben Sie aber schon von den strengen Hygienemaßregeln für Mediziner gehört. Bereits in der Ausbildung muss jeder Arztanwärter ein hochkompliziertes Gesundheitszeugnis erwerben, und die Aufgaben zur Haarhygiene sind besonders schwer. Allein das Kapitel „Shampoos im Lichte des Volumens“ bringt neunzehn Punkte. Selbst Sie erahnen vielleicht, wie fatal es ist für junge Ärzte, hier nicht bestens präpariert zu sein.
A: Langsam staune ich aber doch über Ihr umfassendes Wissen.
B: Dankesehr. Das wollte ich hören.
A: Andererseits wäre es doch schlau, wenn eine Arztpraxis auf hätte, wenn alle anderen schließen. An dem Tag wäre da Hochbetrieb, das kann ich Ihnen aber sagen.
B: Antizyklisch, wie wir Lateiner sagen.
A: Und umgekehrt. So statt „Was Friseure können, können nur Friseure“ könnte der dann sagen: „Mittwochs schließen können auch Friseure.“ Oder: „Der Friseur Ihres Vertrauens: So zu wie ein Arzt.“
B: Dies klingt aber nach Medikamentenmissbrauch. Immer mehr Ärzte greifen selbst ins Schränkchen. Abschreckend und somit ganz untauglich aus Sicht des Marketingexperten. Ein Zugeständnis an Ihre Bemühungen: Ein derartiges Vorgehen könnte durchaus neue Kundenschichten erschließen.
A: Die Ärzte, denen Langhaar steht? Für die wären geschlossene Friseurläden ja DER Hotspot.
B: Nicht nur. Sie sollten wissen: Das Konzept des Pop-up-Stores generiert Kundschaft durch zeitliche Verknappung. Die Arztpraxis könnte umgekehrt jede Woche in der Lokalpresse inserieren und einen anderen Ruhetag ausrufen.
A: So „Jetzt aber schnell! Nur diese Woche montags geschlossen.“
B: Ich sehe, Sie verstehen. An diesem einen Montag kämen dann aus der ganzen Stadt die Angstpatienten.
A: Weil die ja froh sind, wenn zu ist.
B: Lassen Sie uns dies morgen Doktor Broselmann vorschlagen. Fachwissen trifft bauernschlau, wie wir Lateiner sagen. Immer mehr Ärzte [hier irgendeine schlaue Phrase über heutige Ärzte einfügen, etwa „werden gebraucht in ländlichen Gebieten“, „öffnen sich der Alternativmedizin“, „sind übermüdet durch Bereitschaftsdienst“, „kriegen den Hals nicht voll“, „verschreiben Generika“, „züchten Geranien“, „haben einen Hund“ etc.].
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Blubberpink und Peitsche. Ängstliche Entdeckung eines Ballettstudios

Ich fall nicht rein auf Rosa. Die Jubiläumsfeier der Tanzschule erreicht man per Wendeltreppe ins Hochfoyer, es strahlt nicht nur pink ausgeleuchtet, auch der Sekt ist schweinchenfarben. „Alle meinen, Tanzen ist so einfach“, behauptet die Tanzmeisterin, um zu erklären, warum sie sich samt Elevinnen vorm Tanz heute mit einem Schuhritual zum Ernst mahnt. Alle meinen das? Ich nicht, nie, Schweinchen hin oder her.
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„Studio B“ kommt keineswegs nur zum Feiern ins Remscheider Stadttheater, vielmehr zeigt es hier jährlich ein abendfüllendes Tanzstück – daher sein besonderes Verhältnis zum Haus, das Michèle Bialon heute mit Rührung betont. Aber nicht nur das: auch meines zum Studio. Die Lokalzeitung hatte mich 2015 zum Jahresstück geschickt, und bis dahin war ich unbedarft. Doch lahme Indifferenz beim Ballett? Undenkbar. Klar war das schnell beim Termin, und zwar aus zwei Gründen. „Schreiben Sie mal was Schönes!“, gab mir die Kassendame zur Karte freundlich mit auf den Weg, und außer zu grübeln, ob ich denn sonst also nicht schön schreibe, sah ich mich nett instruiert: Heute ist wichtig. Der Hinweis war gut, heut seh ich’s genauso.
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Spätestens so vorbereitet meldete sich dann der zweite Grund, mein ältester, vor Ballett gehörigen Respekt zu haben. Der betraf streng genommen zwar Eiskunstlauf, aber für Männer ist das dasselbe und jedenfalls gefühlte Basis für meine Ballett-Phobie: die YES-Reklame.
Vor circa dreißig Jahren warb ein Fernsehspot mit einer Eislaufszene für die Törtchen, eine in meiner Erinnerung ebenso eisige Lehrerin taute für drei Sekunden auf, um ihrer zuvor übers Eis gescheuchten Schülerin so ein Cremequader zu kredenzen. Herzig. Was nur umso hartnäckiger mein Bild vom Eislauf, also Ballett zementierte: Ausnahmen bestätigen die Regel, die Regel ist eiskalt. Tanz bleibt Drill, da helfen keine Torten. Und selbstverständlich: auch kein Rosa.
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Mein Bericht wurde euphorisch.
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Freilich: Es war dann doch echte Bewunderung, nicht nur das Zittern vor der Zuchtmeisterin, denn Frau Bialon ist eigentlich ganz nett. Gelegenheit zur diesbezüglichen Selbstkorrektur gab’s bei der Aufführung im Folgejahr, die zwar von der Lokalzeitung leider nicht begleitet wurde, von mir aber schon, und zwar in Form meines Aufnahmegeräts: Kaum bei Facebook erfahren, dass man den Einbau einer Erzählerstimme erwog und dafür solch einen Apparat gebrauchen konnte, hatte ich meinen angeboten, schon um meinem klammheimlichen Drang zur Bühne Genüge zu tun – wenigstens via Gerät. Die Übergabe in einem Café wurde gar nicht klammheimlich, sondern sehr angenehm, und die Meisterin verzichtete nicht nur auf eine Strafrunde übers Eis, sondern spendierte mir ganz im Gegenteil Kaffee und Croissant. dass, apropos, ihr Nachname keineswegs französisch ist, sondern polnisch, war einer der inhaltlichen Erträge des Treffs, ein anderer war, nun endgültig sicher zu sein: „Studio B“ ist eine Künstlertruppe, und die kann Remscheid gut gebrauchen.
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Als Freund des Konzepts Stadttheater hatte ich zu dem gewiss hübschen Haus in der Alleestraße immer ein eher geschäftliches, sprich kühles Verhältnis. Das Teo-Otto-Theater ist ein reines Gastspielhaus, jede Veranstaltung wird extern eingekauft, es gibt weder Ensemble noch sonst irgendeinen Bezug zur Stadt. Stört keinen, weil halt Gutes eingekauft wird, hat mich in einem Schreiben an meine Redaktion aber immerhin schon zur frechen Klärung veranlasst: „Das Otto-Theater ist gut, aber eigentlich kein Theater.“ Verbunden mit der Bitte, dies harsche Verdikt nicht dem Kulturdezernenten zu verraten, der in Personalunion Chef des freilich nicht existenten Theaters ist, mich eh auf dem Kieker hat, aber ja auch nicht enttäuscht werden soll. Selbst bin ich Freund des Westdeutschen Tourneetheaters in de Bismarckstraße, das winzig sein mag, aber doch ausgestattet mit eigenem Ensemble, künstlerischem Profil sowie Verwurzelung und also ein Theater ist.
Kein Bezug des TOT zur Stadt also… außer „Studio B“.
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Beim Plaudern mit Mme Bialon wurde auch immer klarer und machte mir die Truppe vollends wertvoll: Der Anspruch ist, Kunst zu machen. Kann durchaus heißen, nicht alles mitzuspielen, was vielen Standard scheint für Tanzschulen. Ändert übrigens alles nichts an meinem Fremdeln mit dem Tanz und allem drumherum, und die Meisterin selbst scheint gar nicht abgeneigt, das strenge Image zu zementieren: Kaum lösbare Aufgaben stelle sie ihren Schülern, sagt Michèle Bialon. Und auch beim Jubi-Vortanz gibt’s keinen Hehl aus dem Anspruch, und wahrscheinlich wissen nur die Schüler, wie viel Pose darin steckt und wie viel bare Münze: „Das gibt morgen im Unterricht aber eine Kritik!“, sagt sie mitten im Rosa, ins Rosa, trotz Rosa, und beim persönlichen Lob für jede Auftretende zur Feier des Tages lautet zu einer der Kommentar: „Sie ist enorm perfektionistisch. Weiß gar nicht, woher sie das hat.“ Ironisch? Selbstironisch? Oder doch eher wieder nur die drei Sekunden Torten-Toleranz? Muss ich gar nicht wissen eigentlich.
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P.S. Und dass Ballett nicht einfach ist, sondern Präzision in locker, streng in charmant, Eleganz im Pulk – alles Widersprüche in sich eigentlich: Auch das hätte beim Vortanzen erkannt, wer’s je bezweifelt hätte. Auf die Vorgabe, pro Tänzerin mit einer Improvisation den Raum zu queren, ersann jede spontan eine kleine Bewegungssequenz, und eine schnappte sich fürs Tänzeln eins der Sektgläser – Prickel-Pink als Requisite. Natürlich verlangt also Tanz nicht nur Fitness und Technik, sondern auch Multitasking und Selbstkontrolle. Der Verfasser war ja schon mit Gratulieren, sprich Austausch von Rosablubber und Geschenk ohne Meisterinbeschlabbern hoffnungslos überfordert.
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Spezialbrille, rosa (für Feiertage)

(Nachtrag November, „literarisch“.)

Soeben aufgefallen: Schloss Benrath habe ich dieses Jahr zu Pfingsten und dann wieder am dritten Oktober besucht. Hochfest und Einheitsfeier schienen wohl vertretbare Anlässe, um mal ganz fahrlässig spätbarocker Lebensart zu frönen. Und heut ist zwar kein Festtag, aber immerhin Herbst, also Gelegenheit, meinen besonders edlen Pullover spazierenzuführen. Vergessen, ja gleichgültig heute die feudale Unart Barons von XY, sich einst auf Kosten seines Volks mit einer Prunkwelt auszustatten. Auch Freunde von Mittelaltermärkten möchte man sonst ja gerne fragen, ob vormoderne Zustände für unsere liberalen Ideale wirklich so knorke gewesen wären, abgesehen von Liveschmied und Seyd-gegrüsset-Folklore.

Aber heut hab ich Urlaub. Ganz ähnlich gehe ich nach dem Treffen im nett-linken Freundeskreis mit Vorliebe komplett unverantwortlich noch zu „Burger King“ und lasse mir dort ökologische Ignoranz so gerne schmecken wie in Benrath die historische.

Nun macht es einem Benrath allerdings auch leicht, es als Ausnahme wahrzunehmen und freundlich zu beschmunzeln. Der ganze Stadtteil zehrt so sehr von der ikonischen Präsenz des Schlosses, dass nicht nur die Weihnachtsmarkthäuschen gerade seinen rosa Anstrich übernehmen. Das „Schlosshotel“ darf auch ein völlig schmuckloser Zweckbau sein, freilich frontal gen Schloss gerichtet. Und auch geheiratet wird gern vorm Spätbarock, an Pfingsten schien es auch mal ein arabisches Paar, denn als Fotomotiv verbindet Rosa Kulturen. Kann man schon mal machen, so am Feiertag.

 

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