FAHRLÄSSIG FEIERN

Ich habe noch nie etwas gefeiert. Genauer: Ich habe den Ausdruck „Ich feiere xy“ noch nie verwendet, außer es ging um meinen Geburtstag oder sowas. Seit Mitte 2013, einer Angabe, die ich soeben eigenhändig erfunden habe, wird er zudem verwendet im Sinne von „etwas enthusiastisch gutheißen“, was ja auch ein wenig unsexy klingt. Um mal was zu wagen, feiere ich hiermit fahrlässig den Film „Axolotl Overkill“. Fahrlässig ist das insofern, als ich den Film gar nicht gesehen habe und auch den Roman nicht kenne. Fahrlässigkeit hat aber eigentlich immer meinen Respekt, sogar Verursacher fahrlässiger Unfälle, die haben nämlich in der Regel einfach sehr viel Pech gehabt.

Diese hier ist aber harmlos und hat immerhin ein Gespräch der tollen Bianca Hauda mit der Hauptdarstellerin auf ihrer Seite, ich glaube, sie heißt Jasna Fritzi Bauer. Mein Schreibprogramm erklärt soeben beide Vornamen letzterer Dame (wie auch den Nachnamen der ersteren) für nichtexistent, was ich gut verstehe, aber gleichfalls wild in Kauf nehme. Mein Feiergrund ist bis auf Weiteres, dass diese Schauspielerin in dem Interview vorige Woche mehrere schöne Dinge gesagt hat. Erstens dass sie ihre eigenen Hörbücher nicht leiden kann, wenn sie später mal reinhört: „Furchtbar! Wer kauft so was?“ Freundlich musste diese sympathische Frau sich zureden lassen, sich in diesem Moment nicht für sämtliche künftigen Hörbuchaufträge unmöglich zu machen. Der zweite Satz bezog sich auf ihre halb-chilenische Herkunft und lautete: „In Chile würde ich mich gerne mal bei irgendwelchen Verwandten einzecken und denen auf den Sack gehen.“ Fand ich relativ lustig. Eigene Hörbücher habe ich zwar erst wenige und chilenische Verwandtschaft sogar nahezu überhaupt keine, aber eine Gemeinsamkeit immerhin haben Frau Bauer und ich, falls sie denn so heißt und ich das richtig verstanden habe: Auch sie hat den Roman bisher irgendwie noch nicht gelesen.

Gehen muss es in Buch wie Film ja ungefähr ums Heranwachsen, ums Nicht-Heranwachsen und um eine egomane Umgebung einer egomanen Heranwachsenden. Themen, die mich interessieren. Wissen tu ich vom Roman sonst nur, dass es zur Zeit seines Hypes eine Lesung daraus hier am Theater gab, die in meiner Erinnerung Coolness und Verruchtheit atmete. Weniger cool war eine Debatte damals, in der ein mir ansonsten unbekannter Blogger sich kurzzeitig über Interesse freuen konnte, weil ihm Plagiatsvorwürfe gegen die Autorin geglückt waren. Bin mir bewusst, dass dieser Satz komplett tendenziös ist, aber wenn schon fahrlässig, dann richtig. Ich bin ein Freund davon, in Internetzeiten das Verständnis von Eigentum zu modifizieren. Mit schiefen Klau-Kategorien, als wären Worte Autos oder Äpfel, war schon rund um Guttenberg zuviel Detektivisches zu hören.

Für das Urheberrechtsding nun die Verfilmung zu feiern, wäre freilich selbst mir zu schräg, daher beschränke ich mich darauf, sie DAFÜR nur gutzuheißen, vorsorglich aber nicht enthusiasisch. Wortrecht statt Filmtipp, fröhliche Willkür: Wollen ja nicht übertreiben.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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