Kulturkritik? Kalauerkasse!

Friedemann Weise mit Soloprogramm – „Clownfisch“ in Utopiastadt

Friedemann Weise, bekannt durch Fotowitze im Internet, kam mit seinem Buch und Programm „Die Welt aus der Sicht aus schräg hinten“ in den Mirker Bahnhof. Gut Rock‘n‘roller nicht zu freundlich – und zum Glück nicht zu schlau.

„Langsam merken die ersten: Das wird nicht besser.“ Friedemann Weise macht sich ein diebisches Vergnügen daraus, Erwartungen zu enttäuschen. So auch im „Clownfisch“ im Mirker Bahnhof, wo das Publikum bei seinem Programm „Die Welt aus der Sicht von schräg hinten“ nicht immer so mitging, wie der Meister wollte. Angeblich. Zum Poltern gibt es aber immer Gründe.

Friedemann Weise ist Spaß- und Liedermacher, er ist aber auch ein kleiner Internet-Star, und seine Liveauftritte bringen auch auf die Bühne, wofür er online bekannt wurde: Spiele mit Sein und Schein wie der Fotowitz mit „Big Brother“ Obama, der per Neu-Montage einem Kind verrät: „Das ist nicht dein Vater.“ Sätze wie „Wenn man immer weiter geht, kommt man irgendwann wieder zum Ausgangspunkt! … Wenn man sitzen bleibt, ist man schon da.“ Blödsinn? Ja, aber höherer, loben kultivierte Geister und stellen schon große Vergleiche an.

Und dann das, hier in der Kneipe der Utopiastadt: Ein Schnösel zwischen rockig und abgerockt, der Zuschauer als „die Penner hier vorne“ beschimpft und ihnen Litaneien schlechter Witze zumutet. „Ich kann alles tragen. Bin daher guter Möbelpacker.“ „Wer bulimisch ist und lispelt, hat eine doppelte Ess-Störung.“ Und Praxisschilder von Therapeuten fotografiert hat, die Angst, Schroff und Schelte heißen. Als würde Stuckrad-Barre von der Lippe lesen. Kulturkritik? Kalauerkasse!

Weil er es kann. Kollegenbash geht gar nicht, erklärt der Mann gut rock-rebellisch, nachdem Nuhr und Hirschhausen soeben als narzisstische Gockel abgetan sind. Auch spontan poltern ist eine Gabe, wie beim Blick aufs Utopia-Interieur – beim Thema Vorlesen:  „Später werden aus Büchern Theken gebaut. Das ist auch nicht schön.“  Lieder verraten Schalk wie Sprachwitz beim etwas anderen Ich packe meine Koffer: „Ich nehme mit: Skischuh‘ als Erinnerungen /  An fest gefror‘ne Kinderzungen.“ Plus „alles aus Strophe eins“.

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Passt doch, irgendwie doch noch: Hinten geht’s schräg nach links oben

Und dann werfen die Kurz-Scherze gerade in ihrer Masse ja doch ein Licht auf News und Facts in Onlinezeiten: Clever präsentiert, lässt sich heute vieles verkaufen und zum Liken animieren. Vielleicht gerade bei Leuten, die zu schlau sein wollen; und dazu mag passen, dass Weises Lieblingsfeinde heute (bedauernswert übrigens) angebliche Hipster im Saal sind „mit eurem Matetee“, Leute also, denen man nachsagt, besonders cool den Durchblick zu haben.

So oder so – Wahrheiten zu montieren mit Aussagen, die nicht erfunden sind, aber ungenau, im wirren Wechsel mit purem Blödsinn: Das gab es heute gerade mit Wuppertal-„Fakten“ sehr schön zu erleben. Tuffi, irgendwie: „Die Schwebebahn wurde ursprünglich von vier Elefanten gezogen, gelockt mit Bananen und Gulaschsuppe.“ Wussten Sie schon? „Wuppertal hat das größte zusammenhängende Gebiet der Welt.“ Ah ja, wovon denn? Egal, steht so ähnlich auf Wikipedia.

Das könnte man alles Zeitkommentar nennen. Wäre bloß viel zu langweilig.

Tour: http://friedemannweise.de/termine/

Buch: Friedemann Weise: Die Welt aus der Sicht von schräg hinten, Ullstein Taschenbuch, 192 Seiten.

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Abstand und Anstand: My topics of the year

2016 wieder nicht gemacht: Ein bei Rot gehendes Kind anschnauzen: „Sie schlechtes Vorbild! Vielleicht bin ich ja einfach groß für mein Alter.“

Geschmackssache, diesen Scherz als Einleitung zu nehmen für ein Thema, das mich im vergangenen Jahr verstärkt umgetrieben hat: Abgrenzen. Sehr gut geht das natürlich mit Aufregern wie „was mit Kindern“, bei denen man sich ja mit wenigen Schritten zur Unzeit (Ampel) bequem ins gesellschaftliche Abseits befördern kann. Sozialer und auch ungleich relevanter kommt das Abgrenzen ins Spiel, wenn es um Massenbewegungen geht, speziell derzeit die gegen Flüchtlinge: Hiesige gegen Fremde. Leute, die behaupten, das Volk zu sein, demzufolge „Volk“ als recht bedrohliches Gebilde erscheinen lassen und damit eigentlich gerade herausfordern, auf Distanz zu gehen. Mein Interesse ist da nicht, ob auch ich mich dann nicht vielleicht von Flüchtlingen abgrenzen sollte. Brisant scheint nicht nur mir die Rolle von Politik und Medien und die Frage, wie viel Nähe zu Massenbewegungen für sie richtig ist. Nicht nur Richtung Pegida sehe ich bei mir da auch Dissens.

Mein eigenes Tun als freier Journalist mag da als Background nur bedingt taugen, denn ich schreibe hauptsächlich über Kulturthemen im weiteren Sinne, soft issues so gesehen, auch wenn politische Berührungspunkte natürlich dazu gehören, gerade dieser Tage. Sich Unabhängigkeit zu bewahren scheint mir auch hier jedenfalls nicht nur wünschenswert, sondern geradezu zentral für die Rolle der Medien; und schon gemessen an meinen Facebookposts dazu muss dieser Aspekt mich im vergangenen Jahr ziemlich beschäftigt haben. Einer sei hier auszugsweise zitiert:

Kulturell Aktive sollten Begleitung durch die Presse nicht als Qualitätsprüfung verstehen. Ich arbeite nicht bei „Stiftung Warentest“, und das ist auch sehr gut so! … Dazu gehört, nicht auf der Seite der Macher zu stehen, sondern sich zwischenzuschalten als möglichst autonomer Beobachter. Was aber auch heißt, dass ich ungern einfach pflichtschuldig irgendeinen „Service“ für die breite Leserschaft biete. Dafür habe ich nicht nur zu viel Respekt vor der Kunst, dafür bin ich auch selbst zu eitel.

Durchaus nicht ausgemacht übrigens, als Medienvertreter das Selbstbild „Dienstleister“ mit dem Leser als „Kunden“ von sich zu weisen. Wenigstens in der Kunst scheint es mir aber geboten. Ein Beispiel dafür war vergangenes Jahr eine Theaterinszenierung von Thomas Manns „Buddenbrooks“, die erkennbar auch auf den Schaueffekt der Spielstätte setzte: das sonst verschlossene Refugium einer wohlhabenden Barmer Händlergesellschaft. Luxus zieht – das mag nicht Kalkül des Regisseurs gewesen sein, eines Überzeugungstäters im guten Sinn; das der Geschäftsführung war es bestimmt, und ja auch mit Recht. Als Rezensent schien da mein Job wie Privileg, zum Geschäftskalkül so viel Distanz zu halten wie zur Bürgerneugier. Vorab beschied ich knapp, es bleibe abzuwarten, wieweit die Intentionen der gastgebenden Gesellschaft sich deckten mit denen der Künstler: Mann-gemäß, doch unmuseal mochten diese sich gerade für den Verfall mancher Räume interessieren, das nicht so Vorzeigbare also. (Nicht nur) meine Besprechung maß die Premiere dann auch daran, ob sie mehr war als Sightseeing. Weltfremd? Vielleicht. Geboten? Ich glaube schon.

(Einwurf: Unmögliche Orte kann man sich privat auch schon mal leisten. Unmöglich ist cool und macht autark – wenn denn die Skepsis bleibt: https://artikuliert.wordpress.com/2017/02/03/spezialbrille-rosa-fuer-feiertage/)

Wobei zur Arbeit der Medien selbstverständlich Respekt gehört. Beim Jahrestreffen eines bergischen Schützenverbands war das Schmunzeln fairerweise für später aufzusparen, wenn man Gesprächspartner und Festhalle verlassen hatte. Nicht viel anders freilich, als wäre man zu Gast bei einer anatolischen Volkstanzgruppe, die auch in puncto traditionelles Weltbild so weit nicht entfernt sein mag von den gut bürgerlichen Knallchargen. Dasselbe in jägergrün. Ja, für Distanz, ja Kühle zu manch Heimischem, Sorgen wie Vorlieben, müssen „die Medien“ zur Zeit Schläge einstecken.

Wie gesagt: Auch hier erlaube ich mir Distanz, nicht nur nach rechts. Eines der spannendsten  Projekte war für mich sicher meine Teilnahme an einer Schreibaktion zu Migration, bei der Zugewanderte ihre Geschichte erzählten und von Texterfahrenen zu Porträts formen ließen. In meinem Fall war das ein Flüchtling aus Damaskus, aber auch eine keineswegs geflohene Designerin mit kongolesischen Wurzeln oder eine für ein IT-Unternehmen tätige gebürtige Weißrussin (Artikel hier), die ihre Heimat nach dem Studium verließ, weil zu beengend und illiberal. Auszug:

„Der Hintergrund hilft Olga oft, den Blick zu wechseln. „Europäische Werte“ sind ja ein oft gehörtes Schlagwort, aber wohl auch durch diese Außensicht „ad hoc“ hat sie keine Schwierigkeiten, es zu konkretisieren: „Individuelle Freiheit“, das sei zentral für Europa, trotz aller aktuellen Gefährdungen. Als Beispiel verweist sie auf das Thema Homosexualität und die repressive Haltung Russlands dazu im Vergleich – und der russische Einfluss sei in Weißrussland weiter stark, wenn auch Lukaschenka sich neuerdings in Distanz versuche. Den Begriff „Liberalität“ für den europäischen Geist lässt sie zwar gelten, aber nicht ohne Zweifel am Kapitalismus US-amerikanischer Prägung, den das Wort für sie mit transportiert.

Wach und differenziert wirkt dieser Wechsel-Blick – übrigens auch auf Deutschland, von dem Olga heute verschiedene Regionen kennt: Wuppertal wie auch das Ruhrgebiet sind ihr angenehm, zum Süddeutschen zieht es sie weniger. Und die Hauptstadt? Ihr Urteil dazu mag überraschen, viele Osteuropäer teilen es, sagt sie und meint es gar nicht sehr begeistert: „Berlin ist für viele ziemlich osteuropäisch.“

Passt schon wieder – für den Perspektivenwechsel wird das generell auch nicht ungünstig sein mit dem Abstand.

Wo ich mir trotz alldem unkorrekte Distanz erlaube, das ist mein Lieblingsthema Denkmuster. Die massive Front von Links-Liberal gegen Pegida und Co erfordert nun einmal ein recht routiniertes Abstempeln: Nimmt mit der Zuwanderung auch die Sorge zu, wird die halt als extrem umdefiniert – Problem vom Tisch? Mich selbst interessiert übrigens Nationalidentität nicht, und wenn, dann kaum die deutsche. Aber wer bin ich, sind wir Gutlinken denn, diese Indifferenz zum Maßstab zu erklären? Abgrenzen mag als pädagogische Strategie sogar legitim sein, aber wenn sie dann als „Redeverbot“ erscheint und so die Aversionen noch verschärft, wirkt sie nicht nur anmaßend, sondern kontraproduktiv.

Postfaktisch ist ein beliebtes Wort in diesem Zusammenhang, aber es ist auch Unwort des Jahres und für mich daher Anlass eines hoffentlich wieder etwas heiteren Textes (derzeit noch under construction). Weniger als Faktentreue scheint mir gegen den Ansturm von rechts etwas anderes geboten: Anstand. Als zivilisierter Mensch hat man sich einfach am Riemen zu reißen, wenn Fremdes befremdet. Aber nicht weil irgendwelche Fakten gegen dieses Gefühl sprächen (wir sind halt nicht nur Ratio). Sondern weil sich Feindseligkeit ganz schlicht, ganz bürgerlich und nicht so anders als Über-Rot-Gehen, einfach nicht gehört.

 

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Post? Faktisch? Briefträgerdenke.

Der Wal ist kein Fisch, und Holland heißt nicht Niederlande. Na, spannend, diese Tatsachen? Für Wale und Niederländer bestimmt. Je nun, ich bin kein Faktenfan, und das ist auch gut so.

Alle Welt sieht „postfaktisch“ als Vorwurf und findet es anstößig, nicht pur nach Ratio zu ticken. Nicht nur dass so von der Kunst der Welt nicht viel übrig bliebe: Auch beim Schreiben, privat wie knallhart journalistisch, sind doch Fakten nicht viel mehr als nötiges Gerüst, Gerippe fast, die ihr Fleisch von ganz woanders kriegen. Sachverhalt. Wer ist man denn. Rehe sind übrigens keine Hirschkinder, sondern Meeressäuger und sprechen kein Holländisch, weil das wär nicht schlau genug. F*** it, pardon.

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(Mehr, seriöser: https://artikuliert.wordpress.com/2014/08/04/wir-geschichtenerzahler/)

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Search for Serienpartner? Besser Nerd als Knobelmonster

Gestern fragte ich mich, wie „Big Bang Theory“ wohl ohne die Frauen war. Es gibt ja Klagen, inzwischen drehe sich in der Serie alles um die Freundinnen, aber ich kenne sie noch gar nicht länger und stelle mir die freundinnenlose Zeit dort eigentlich anders vor als, sagen wir, bei den drei Fragezeichen. Justine, Pamela und Belinda waren nicht mehr als der undankbarste Teil einer Modernisierungsoffensive und hießen nicht mal so; aber wie sonst, hat auch keinen interessiert. Die drei Knobelmeister mussten irgendwann auf einmal mehr sein als drei Knobelmeister, sondern fast so etwas wie echte Menschen, und das war ein Fehler. Gefühlt von einer Folge auf die nächste hatte ein brachialer Autoreneingriff ihnen Computer, Freundinnen und Führerschein an die Backe gezaubert; wahrscheinlich war Justus auch plötzlich Discokönig, ich erinnere mich nicht mehr. Das alles war so unsinnig, dass immerhin die Mädels schnell wieder gestrichen wurden. Ein Glück, denn Knobelmonster liebt man nicht fürs Menscheln. Wo jeder Tatortkommissar heute mal mindestens eine ordentliche Drogenvergangenheit braucht und die Rivalen von TKKG immerhin darin menschlich wirken, dass sie so offensichtlich beknackt sind in ihren Rollenklischees: Da soll die Task Force Rocky Beach bitteschön mit Scharfsinn glänzen, nicht mit Verführerskills. Recht so. Bye bye Belinda, fand auch ein Hit der „Flippers“.

Und das ist dann wohl der Unterschied zu Sheldon Cooper und Leonard Hofstetter. Denn Nerd als Star, das erlaubt menschliche Spleens und Schwächen keineswegs nur, es braucht sie so unverzichtbar wie Bob seinen Bibliotheksausweis. Erst so können wohl im Vergleich Freundinnen mehr sein als Beiwerk, sondern Counterparts, die nicht nur Weiblichkeit ins Spiel bringen, sondern etwas, was Nerds schon fast per definitionem abgeht: gesunden Menschenverstand. Klar hätten die Funktion auch drei Pennys mit dem Aussehen von Amy einnehmen können, aber etwas Reverenz an männliche Durchschnittsvorlieben war natürlich  ein netter Schachzug (schreibt der Mann). Freundinnen weitgehend ironiefreier Knobelmonster ist da ein kurzes Los beschieden, wenn sie nicht mal wie Gaby per „G“ im Bandennamen Bestandsschutz genießen und selbst als Sidekick uninteressanter sind als Manuel Andrack hinter Harald Schmidt, und sogar für den war ja bald Schluss.

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2016: Lieblingssätze, wildgemischt

Quatsch

⇒ Irgendwie auch historisch: Offenbar in der neuen Schwebebahn am Tag der Jungfernfahrt einen Beutel voller bretonischer Kekse für meine Schwägerin liegen lassen. Blau war er auch noch.

(December 21 at 10:16pm · https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1100788750030564?pnref=story)

Quatsch

⇒ … Nur [Domians] Star-Status bei vielen habe ich nie verstanden. Wenn ich mal angerufen hätte bei ihm, hätte ich mir z.B. nie am Ende ein Autogramm gewünscht. Von seinem Therapeuten oder sonst nem guten Gesprächspartner will man ja auch keinen Fanstuff.

 

Dienstlich

⇒… Glaubt euer Ding, aber reißt euch am Riemen! Und da mag es dramaturgisch sogar das Beste sein, die eh unwahrscheinliche Handlung noch etwas zu dehnen, eben weil die finale Harmonie ja auch unwahrscheinlich ist. Als wollten Lessing und die Inszenierung sagen: Um im wirklichen Leben Frieden zu finden, reichen keine komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse.

(http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=19349)

Ernsthaft

Der Hintergrund hilft Olga oft, den Blick zu wechseln. „Europäische Werte“ sind ja ein oft gehörtes Schlagwort, aber wohl auch durch diese Außensicht „ad hoc“ hat sie keine Schwierigkeiten, es zu konkretisieren: „Individuelle Freiheit“, das sei zentral für Europa, trotz aller aktuellen Gefährdungen. … Den Begriff „Liberalität“ für den europäischen Geist lässt sie zwar gelten, aber nicht ohne Zweifel am Kapitalismus US-amerikanischer Prägung, den das Wort für sie mit transportiert.

(„Eine Basis, um den Blick zu wechseln“, http://aul-bergmark.de/projekte/das-bin-ich-das-schreibprojekt-migrant-innen-erzaehlen/olga.html)

Ernsthaft

⇒ Wievielmal Metaebene ist das jetzt ungefähr? Neues Literaturmagazin adelt meine Facebookbeiträge als Literatur

(November 30 at 10:20pm · https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1080122078763898&set=a.135044493271666.26260.100002983495471&type=3&theater)

 

Quatsch

⇒ … doch noch Fan von Steuer-Uli: Nö, schlaue Bürger, dachte ich mir, habt ihr halt mal Pech mit euren Standards. Knast als Don’t ist einfach elitäre Etikettendenke.

(Mainstream-Bash beim Morgensporteln, November 29 at 12:12am · https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1078375472271892?pnref=story)

 

Quatsch

⇒ Da hab ich wohl zu lange retardiert …

[Mein Gedicht zum Thema „Retardierendes Moment“ kommt ein Jahr zu spät: November 21]

Dienstlich

⇒ Franzi Rockzz und Senta Berger. Worüber man so schreibt in einer Woche.

Like: Ekila Zikianda, Diana Kinnert and Franzi Rockzz

(November 18 · http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=19251&neu=1)

 

Dienstlich

⇒ … Unsinn? Großartig? Oper ist doch gerne beides. … Donald Trump wird mit seiner fast zeitgleich erfolgten Wahl kaum im Sinn gehabt haben, an der Bundesallee heute als Aufhänger zu dienen. Aber als Gegen-Szenario bot er sich in der Einleitung an, und so wirkten die Worte und Töne des Abends nicht nur flammend, sondern auch ein gutes Stück trotzig. … wohl nötige Einordnung künftiger Thementermine in einen doch fiktionalen Kontext. Nur unter dieser Prämisse scheint so manches Pathos des Abends im Rückblick eigentlich überhaupt so recht erträglich: OB Mucke, selbst ja auch Hobbyschauspieler, reizte die halbtheatrale Lage voll aus und mixte Werbung für die Seilbahn mit Worten fürs Geschichtsbuch („Lasst uns mehr Wuppertal wagen!“). Was als Plagiat nicht mal vom toten Parteifreund Willy Brandt geklaut war, sondern vom kürzlich veröffentlichten Lob fürs Tal in der Tageszeitung „Die Welt“. So aber: Ein starker Abend, ein eindrucksvoller Einstieg –  in Zukünftiges.

(https://www.engels-kultur.de/sound-of-the-city-bund-der-utopisten-wuppertal-utopia)

 

Ernsthaft

⇒ bei so Lexika sieht man halt schön, was passieren kann, wenn sich Forscher mühen, des Lebens habhaft zu werden. Vielleicht sogar beruhigend, wenn das schiefgeht.

(November 18)

Ernsthaft

⇒ … Kulturell Aktive sollten Begleitung durch die Presse nicht als Qualitätsprüfung verstehen. Ich arbeite nicht bei „Stiftung Warentest“, und das ist auch sehr gut so! … Dazu gehört, nicht auf der Seite der Macher zu stehen, sondern sich zwischenzuschalten als möglichst autonomer Beobachter. Was aber auch heißt, dass ich ungern einfach pflichtschuldig irgendeinen „Service“ für die breite Leserschaft biete. Dafür habe ich nicht nur zu viel Respekt vor der Kunst, dafür bin ich auch selbst zu eitel.

Außer Aktiver und Begleiter bin ich nämlich abschließend auch noch Leser (ach ja, tschuldigung: „LESER“) und lese etwa Feuilletons durchaus als eigenständige Werke, die mir ein Thema näherbringen, ohne sie aber als „Ergebnisse“ zu sehen. (Der Feuilletonist mag sich das übrigens durchaus wünschen, aber das ist sein Bier.) 

(October 25, https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1039526192823487)

 

Ernsthaft

 

Die Kickoff-Veranstaltung des Projektes „Das bin ICH“ zog heute über 40 Menschen mit Migrationserfahrung ins Swane-Café, um mit 10 Journalist_innen und vielen S…                                 (https://www.facebook.com/martin.hagemeyer/posts/1032179656891474, October 18 · Arbeit und Leben Wuppertal/Hagen/Solingen)

 Quatsch

Ä! èèéè! Habe nach zwei jahren herausgefunden, wie man umlaute und sonstige sonderbuchstaben hinkriegt. ß-ß-hurra!

Quatsch

⇒ Die dunklen seiten der hagemeyers: mein bruder hat, wie ich jetzt erfahren muss, einst meinen taschenrechner versteckt, den ich „fuer die schule benoetigte“ (heute sms meiner mutter), und beim letzten theaterfest hat mein vater aus dem fundus den haken von käpt’n hook ersteigert und damit die intendantin erschreckt. Jetzt ist sie zurueckgetreten.

(October 8)

Ernsthaft

⇒ Das System stützen ist komplett erlaubt und hat mit Buckeln null zu tun, wenn das Medium dieses System aus freien Stücken stützenswert findet. Sich zwischenschalten, mal hier-, mal dorthin, und zwar nicht nach Laune, aber nach Gutdünken: Es macht die Medien geradezu erst relevant, wenn sie im besten Sinne selbstherrlich sind.

(September 16)

Dienstlich

⇒ … Das alles ist spannend und ohne Zweifel innovativ – aber Ertrag nachhaltigen Denkens? Der Begriff wirkt zuweilen arg strapaziert. Und mag man die ebenfalls besuchte T-Shirt-Produktion aus Holzfasern auch für die Idee loben: Die jungen Macher promoten sich so trendgerecht, dass die Kunden ihnen vermutlich auch Smoothies mit Holzgeschmack abkaufen würden.

(Nachhaltig durchs Viertel. Wuppertal Institut wird 25 – Exkursion über den Arrenberg,       08. September 2016, https://www.engels-kultur.de/wuppertal-institut-25-jahre-jubilaeum)

 

Dienstlich

⇒ Ein Vorhaben, das moderne Standards vollends dem Markt preisgibt, muss und darf vielleicht einfach mit Einseitigkeit rechnen – nämlich mit einmütiger Ablehnung.

https://www.engels-kultur.de/ttip-diskussion-wuppertal-faerberei-juergen-hardt

 

Ernsthaft

⇒ … Ich glaube soeben, an den ausschwärmenden Monsterjägern irritiert eben der Schwarm: Massenhaft und im Wissen, Teil eines Trends zu sein, offensiv den öffentlichen Raum einzunehmen. Und das keineswegs mehr als Randerscheinung wie bislang beim ‚Nerd‘, den man allgemein belächeln durfte und dabei doch irgendwie auch charmant fand – man denke an die enorm beliebten Freaks in der Serie ‚Big Bang Theory‘. Die aber geradezu per definitionem nie eine Chance gehabt hätten, zu Hunderten tagtäglich die Stadt zu fluten – und das unverhohlen mit dem Anspruch, nicht die Spinner vom Dienst zu sein, sondern: die Zukunft.

August 1, 2016

Ernsthaft

⇒ Alter Text von mir mit aktueller Basisdemokratie-Skepsis. „Der Wutbürger hat Schule gemacht in den letzten Jahren. Seit dem bis dahin unerhörten Volksaufstand gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist es hierzulande nicht nur endgültig salonfähig für Bürger jeder Couleur, auf die Straße zu gehen. Sondern eben auch: auf ebenjene Straße sein Eigeninteresse zu tragen.“ „Je mehr eine Protestbewegung aber von Partikularinteressen getrieben ist, desto plausibler erscheint es doch, dass für Entscheidungen bei emotional besetzten Themen doch übergeordnete Instanzen die geeigneteren sind.“

(July 3, Die Masse macht’s! Besser?)

 

Ernsthaft

⇒ Ich gehe gern mit Sprache um und ordne Gedanken zu Texten. Eitel bin ich auch und daher gern vor Publikum, wenn es mich mag – das virtuelle hat bekanntlich nicht mal einen „Buh-Button“. Aber: Texte, jedenfalls soweit sie literarisch sein wollen, sollten sich wohl immer auch Autonomie bewahren – für mich heißt das: Heitere Irritationen einbauen, wo es passt und meinem Blick auf die Welt entspricht. Mittendrin und knapp daneben.

(http://www.ins-blaue.net/martin-hagemeyer/)

 

Dienstlich

⇒ „Sekunden später steht man vor ‚Robby‘, unverkennbar ein Abkömmling der Pinguinale, und wundert sich, dass ein fetter Vogel bergische Heimatgefühle auslösen kann.“

(„Wuppertaler Rundschau“, Juni)

Dienstlich

⇒ Biennale, Pinguinale, volles Programm bei mir. Ungefähr dasselbe.

Fürs Kulturmagazin engels durfte ich über die Wuppertaler Literaturbiennale schreiben:

Flucht aus der Meta-Ebene | engels – Kultur. Kino. Wuppertal.

Aktueller als man je hätte erwarten können: Immer wieder war bei der Wuppertaler Literaturbiennale diese Aussage zu hören, weil ihr diesjähriges Motto „Utopie…

(Juni 2016)

 

Quatsch

⇒ Mir liegt exklusiv ein Zeitungsbericht vor mit Fotos von den deutschen Spielern bei der berühmten Fußballwoche, die das Fernsehen ja bekanntlich jetzt veranstaltet. Von den Spielern kenne ich mehrere. Hmmm. Der eine da ist bekannt. Aus der Werbung, wo die Frau sich dauernd in „Manuel Neuer“ verwandelt. Muss also „Manuel Neuer“ heißen. … Der Lahm ist nicht mehr dabei anscheinend, war aber eh ein Sack. Aber der, dessen Freundin jetzt Grace heißt, wie meine Lieblingslektüre, die „Frau im Spiegel“, mir mitteilt. Wobei meine Lieblingslektüre eigentlich natürlich der „Kicker“ ist und die „Neuesten DFB-Fachnachrichten“, wie ja auch selbstverständlich unverkennbar sein dürfte.

Quatsch

⇒ FREMDE MASSEN DOCH INTEGRATIONSFÄHIG?

… wer aus massendrang zum oelbergfest geht und aber standhaft bis zum feuerwerk koeftestaende ablehnt, hat wahrscheinlich keinen schoenen tag.

(May 22 )

 

Ernsthaft

⇒ Ich gerier mich ja gern als Labelfeind. Was sind denn Titel anderes als Schubladen, will ich Vollblutprofis gleich welchen Metiers immer mal entgegenschleudern, wenn sie ihren Status stolz vor sich hertragen. Auch im eigenen: Heute schreiben wir halt mal für Zeitungen oder sonstwo – früher war ich Leserbriefschreiber. Auch schön. Gedruckt, aktuell, öffentlich – all das ist schließlich beides. Die routinierte Selbstdefinition via Abgrenzung: Ist sie nicht künstlich, eine bequeme Behauptung?

(April 15, https://www.facebook.com/notes/martin-hagemeyer/leben-ohne-ismus-eine-zumutung/902554053187369)

 

Ernsthaft

⇒ Zu meiner ueberraschung darf ich diesen montag, 4.4., um halb 8 teil der werkstattlesung im literaturhaus wuppertal sein, und das meine ich nur halb kokett. … [Selbstauskunft über „mein Schreiben“? Schwierig!] Vielleicht waere das aber eigentlich eine ganz gute aussage zu meinen themen und worueber ich gern schreibe: dass ich leider im allgemeinen oft nicht so gut klarkomme mit kategorien. Gut, DAS war kokett.

 (April 2)

Quatsch

⇒ …“Um mir einmal den Anschein eines viel beschäftigten Mannes zu geben: Bis Monatsende hasenbedingt etc verreist.“ Meine erste Abwesenheitsnotiz. Wenn das so weitergeht, mach ich noch den Führerschein.

 

Quatsch

⇒ Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, Blödsinn habe keine kommunikative Funktion. … Vermutlich haben Stilkritiker wenig Spaß im Zug. [… Thema „Gefühlte Zugspitzenhöhe“. …] Alle freuen sich, sogar der Kontrolleur. Nur Wolf Schneider sitzt grämlich hinter seiner FAZ und murmelt: „2962 Meter.“

Quatsch

⇒ MEIN FREUND, DER SCHIENENERSATZBUS

… Gedacht ein Zug, gefühlt ein Glück!
Wenn’s Partyvolk sich schart
Im vollen Bus vom Suff zurück
Hat’s was von Klassenfahrt.

(An dieser Stelle ist leider Schluss, denn da musste ich aussteigen.)

 

Quatsch

 

⇒ „Bei ‚The Hateful Eight‘ gibts ne Pause, nicht wahr?‘ ‚Ja.‘ ‚Gut, dann eine Karte bitte.‘

Dienstlich

⇒ Ob „Beteiligung“ indes Mitbestim­mung bedeutet oder eher Ein­bindung in ein längst favorisiertes Wunschprojekt: Das ist wohl eine Frage, die sich beim beliebten Wort von der Transparenz auch ganz grundsätzlich stellen lässt.

(Mitteilungsheft Elberfelder Südstadt 1/16, January 20, 2016)

Ernsthaft

⇒ Mich nervt zunehmend, warum Medien so beharrlich bis panisch bestreiten, eine Tendenz zu haben. Ich halte es für ein fatales Missverständnis zu glauben, Aufgabe der Presse sei bloß wertfreies Sammeln und Verbreiten. Gerade ihre Macht gebietet vielmehr geradezu, Informationen in Kontexte zu stellen, statt sie blind herumzuhauen. Ich glaube, man nennt das Prinzipien.

Vgl.:

(January 20)

Dienstlich

⇒ Ein wenig will man selber schreiten.

(Buddenbrooks nachher: „Musenblätter“, Am Ende ist es doch Theater, http://musenblaetter.de/artikel.php?aid=18944&suche=von%20Martin%20Hagemeyer)

 

Dienstlich (same topic, more politely…)

⇒ Wie weit das Selbstverständnis der „Bürgergesellschaft“ sich deckt mit dem Ansatz der Künstler, bleibt wohl abzuwarten – geht es Thomas Mann doch bekanntlich um den „Verfall einer Familie“. Und das Obergeschoss, das nicht betreten, sondern per Filmprojektion Teil der Aufführung werden soll, wirkt zumindest wie eine andere Welt: Im riesigen Festsaal von einst blättert heute trist die Farbe, und auch die sterilen Gänge wären für Muße und Kontaktpflege wohl kaum geeignet. „Das ist eine andere Charme-Liga“, sagt denn auch Regisseur Müller dazu – aber es klingt respektvoll, ja erfreut. Soll heißen: Künstlerisch ist selbst Verlassenes spannend.

(Buddenbrooks vorab: „Wuppertaler Rundschau“, Mai 2016)

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Hier muss noch ein Titel hin :-)

Zum Kinofilm „Paula“, dessen Vorpremiere ich in Essen besucht habe, gibt’s im Folgenden 1. kaum Beschreibung, 2. viel Abstraktion, dafür 3. punktuell Unsinn. Eingeprägt hat sich mir anderes, was vermutlich mehr an mir liegt. Vom Film selbst blieb mir hauptsächlich die Optik in Erinnerung, die sehr malerisch war, aber das taugt bei Malerfilmen wahrscheinlich kaum zur interessanten Auskunft.

 

Meine Verbindung zur Malerin Paula Modersohn-Becker war ein Roman, „Die Sonne! Früchte. Ein Tod“ von Michael Zeller. Sie ist dort Nachbarin des fiktiven Ich-Erzählers in Paris, wohin sie von der Worpsweder Künstlerkolonie aus zum Malen aufgebrochen war. So erscheint sie im subjektiven Blick dieses Anderland, eines Schriftstellers, der an einem historischen Roman arbeitet. Gelesen habe ich Paula dort im Grunde als Folie, deren Figur zur Charakterisierung dieses reichlich weltfremden Poeten dient. Interessant fand ich an dem Roman überhaupt die, wie mir schien, anspruchsvolle Erzählsituation: Ein Protagonist, zumal in Ich-Perspektive, der nicht etwa Sympathieträger ist (wünscht man sich das als Leser heimlich nicht eigentlich immer?). Sondern über dessen offenkundiges Problem mit verdrängter Sinnlichkeit man recht heftig schmunzelt oder auch die Stirn runzelt. Mehr Gegenbild letztlich war für mich Paula also im Roman – freilich eine, vor der sein Protagonist alt aussah.

Anders nun im Film: „Paula“ zeichnet natürlich ein Bild seiner Titelfigur. Wobei der lebensfrohe Wesenszug auch hier auftaucht, vielmehr sogar zum bestimmenden Teil ihrer Darstellung wird. Beim Bühnengespräch nach Filmschluss kam vom gefeierten Filmteam zwar zu Recht das Lob, Albrecht Abraham Schuch lasse seiner Figur, ihrem Mann Otto Modersohn, Gerechtigkeit widerfahren. Dennoch bleibt wahr, dass der Film sich ganz um sie zentriert und daher alles, auch Otto, in seinem Verhältnis zu ihr zeigt. Der jungen Frau, die schwer um Anerkennung kämpfen muss, aber sich doch souverän auch über alles lustig macht. Darin ähnelt der filmische Zugang dem literarischen dann doch wieder – freilich um so die weibliche Hauptfigur strahlen zu lassen. Ob im künstlerischen Dogmatismus der Malerpioniere, dem Machismo trotz vorgeblicher Modernität oder in der gruselig-genialischen Selbstinszenierung eines Rilke: Eigentlich immer umgibt den Worpsweder Männerklub in Paulas Blick, wach wie ungnädig, ein sanftes Aroma des Lächerlichen.

(Exkurs: Ich hatte beim Schauen ständig die Aussteiger der 68er-Kommunen im Sinn und hätte mir unter den malenden Rauschebärten, missionarisch verrannt, auch zum Beispiel Rainer Langhans eigentlich sehr gut vorstellen können. Männliches Guru-Gehabe hier wie da. Motto der Künstlerkolonie, sagt man: ‚Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.‘ Motto der Kommunistenkommune, hört man: ‚Frauen sind unfähig, schöpferisch etwas hervorzubringen. Außer Kindern.‘ Eventuell war es umgekehrt, aber das ändert eigentlich wenig. Ich bin postfaktisch, und das ist auch gut so. Keine Ironie, aber anderes Thema. Exkurs Ende.)

 

Für mich eine neue neue Erfahrung war auch das Phänomen Film-Erstaufführung. Nicht erst als nach dem Film die Crew die Bühne bestieg, sondern schon vorab im Foyer herrschte ganz premierenmäßig feierliche Aufgekratztheit, wie ich sie sonst vom Theater kenne und mag. Zeigt dort das Giggeln zuschauender Schauspielkollegen hörbar die besondere Zugehörigkeit, so kommt beim Film ja noch hinzu, dass die Akteure selbst sich neu anschauen – vielleicht erstmals überhaupt, zumindest erstmals öffentlich und auf großer Leinwand.

Eher neu mochte dem cineastischen Zaungast auch sein, wie selbstverständlich die Art der Vorbereitung der Schauspieler zur Annäherung an ihre Figur auch beim Film offenbar ist: Nein, selbst gemalt habe sie nie, hatte „Paula“ Carla Juri im Flyer gesagt, und nun erzählte sie dennoch von im Vorfeld genommenen Malstunden. Ziel des Einswerdens? Zumindest ohne Zweifel: des Nicht-Nur-Tuns-als-ob.

Angenommen zwischen Kennern zu sitzen und Grundlegendes nicht zu wissen, bereitet mir eigentlich immer ein heimliches Vergnügen. (Schon wieder unsachliche Klammer: Die Vorstellung vielleicht, beim Klassikkonzert mit freundlicher Blödheit zu schocken, so was wie: ‚Ich bin hier für die Zeitung und weiß immerhin: Der Herr van Beethoven war ein prima Musikant aus Bonn. Obwohl, vom Namen denkt man ja Holland.‘ Klammer Ende.) Einschließlich einer beim Film vermutlich unnötigen Skepsis gegenüber Illustration und Opulenz: Bei einer Theaterinszenierung hätte man das erkennbare Bemühen um pittoreske Historisierung beargwöhnen mögen. Warum dieses Kostüm-Schaulaufen, hätte der Rezensent da vielleicht geätzt, wie in Opulenzschinken von „Ben Hur“ bis „Wanderhure“? (Schon wieder unsachlich, entschuldigt hoffentlich durch die  Zaungast-Sicht. Aus-Illustrieren ist ja doch Standard beim Film, wohl ein guter sogar; das sollte man sicher wissen. Korrigiere also: „Kracher“, nicht „Schinken“. Man hört, der alte „Ben Hur“ ist ein guter Film.)

 

Und wo es jetzt doch so subjektiv bis unseriös geworden ist, einschließlich frisch gestandener Unerfahrenheit – dann kann es ja heraus: Ich fürchte, mein Problem mit „Paula“ war noch grundsätzlicher. Ist das wirklich so eine tolle Idee mit den Paarbeziehungen? Ich finde ja Paula so cool in ihrem Beharren auf Autonomie; aber dass sie als Partnerin nicht gerade ein einfaches Vergnügen gewesen mag, war doch dem Otto ebenso nachzuempfinden. Und keiner wird ja behaupten, dass derlei fiktiv sei oder bloß Einzelfall: Auf der Zugfahrt nach Essen trug ein junges Paar seine Beziehungsprobleme aus – maßvoll übrigens, aber hörbar -, und auch hier schienen mir beide so plausibel: Sie leicht stressig, aber bemüht um Entspannung; er verständlich genervt und so nicht eben hilfreich. Sie hielt ihm vor, in Situation xy habe er neulich eine andere Frau angesehen, eine Minute habe das gedauert; er verteidigte sich, keineswegs, es seien nur vierzig Sekunden gewesen.

Manchmal denk ich wirklich, das bringt es nicht.

 

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Neujahrsentrümpeln 2

RAUS MIT ALTEN HANDYNOTIZEN!

Die position, auch machtpostion der medien entspricht vielleicht nicht einer irhendwie geatrteten besonderen fähuigkeit: manch prominenter leitartikel etc mag sich faktisch nicht so sehr unterscheiden von einem guten blogbeitrag oder leserbrief. Das beharren auf Profitum ist in kultur und medien vielleicht am durchschaubarsten als taktisches platzhirsch-gebaren von menschen, die ihre felle davonschwimmen sehen.

Davon unabhängig: medien in ihre macht sind als instanz ein weiterer player im gefüge, und der trägt vielleicht am wichtigsten bei zur: relativierung. Wenn alles gut läuft, werfen sie ihr gewicht gegenü+ber grundsätzlich jedem aktuer in die waagschale – und zwar nicht willkürlich, aber nach gutdünken. Für diese funktion ist es auch gar nicht nötig, dass sie recht haben – uim zurechtrücen genügt es schon, prominent eine unabhängige meinung zu vertreten.“

Das Statement klappt übrigens auch ohne den Nachsatz:

„(gedanken zur nur mittleren wertung des kugel-kontrollettio beim eiscafe spathmann.)“

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