Schlaue Gespräche (mit Schluss zum Selberbasteln)

A: Wollten Sie auch zu Doktor Broselmann?
B: In der Tat, doch er scheint nicht da zu sein. Die Praxistür ist zu.
A: Haben wir etwa Mittwoch? Mittwochs haben Ärzte doch Urlaub.
B: Ich bitte Sie.
A: Verzeihung, vielleicht waren es auch Friseure.
B: Ein weit verbreiteter Irrtum. Keineswegs haben Ärzte mittwochs Urlaub, Friseure ebenso wenig. Neuere Studien haben gezeigt, dass umgekehrt zum Beispiel Müllmänner nicht nur einmal die Woche arbeiten, obwohl dies dem Bürger vorgegaukelt wird. Bei mir etwa kommen sie dienstags. Und gaukeln.
A: Ach, Studien! Die sind doch gekauft, sagen Sie mal.
B: Aha. Postfaktisch also.
A: Doktor Broselmann ist jedenfalls tatsächlich nicht da.
B: Der einfache Zeitgenosse sperrt sich den Erkenntnissen der Wissenschaft.
A: Und wissen Sie was? Ich gönne ihm seinen Urlaub!
B: Jetzt werden Sie mal nicht frech.
A: Vielleicht haben sie das auch zusammengelegt mit den Ruhetagen.
B: Nun gut. Ich will es Ihnen begreiflich machen. Kennen Sie die Boole’schen Operatoren?
A: Doktor Broselmann operiert ja gar nicht. Er ist doch kein Chirurg.
B: Alternativ geht auch Murphy’s Law, das Freud’sche Paradoxon oder die Heinemann’sche Unschärferelation.
A: Die feinen Herren.
B: Das können Sie alles ganz leicht selbst anwenden, um einmal an Ihren beschränkten Horizont zu appellieren: Was wäre denn, wenn Ärzte und Friseure am selben Tag zu hätten?
A: Alles zu!
B: Unsinn. Kein Arzt könnte jemals zum Friseur.
A: Ich behaupte, Doktor Broselmann könnte Langhaar sehr gut tragen.
B: Dies glaubt der Laie. Vielleicht haben Sie aber schon von den strengen Hygienemaßregeln für Mediziner gehört. Bereits in der Ausbildung muss jeder Arztanwärter ein hochkompliziertes Gesundheitszeugnis erwerben, und die Aufgaben zur Haarhygiene sind besonders schwer. Allein das Kapitel „Shampoos im Lichte des Volumens“ bringt neunzehn Punkte. Selbst Sie erahnen vielleicht, wie fatal es ist für junge Ärzte, hier nicht bestens präpariert zu sein.
A: Langsam staune ich aber doch über Ihr umfassendes Wissen.
B: Dankesehr. Das wollte ich hören.
A: Andererseits wäre es doch schlau, wenn eine Arztpraxis auf hätte, wenn alle anderen schließen. An dem Tag wäre da Hochbetrieb, das kann ich Ihnen aber sagen.
B: Antizyklisch, wie wir Lateiner sagen.
A: Und umgekehrt. So statt „Was Friseure können, können nur Friseure“ könnte der dann sagen: „Mittwochs schließen können auch Friseure.“ Oder: „Der Friseur Ihres Vertrauens: So zu wie ein Arzt.“
B: Dies klingt aber nach Medikamentenmissbrauch. Immer mehr Ärzte greifen selbst ins Schränkchen. Abschreckend und somit ganz untauglich aus Sicht des Marketingexperten. Ein Zugeständnis an Ihre Bemühungen: Ein derartiges Vorgehen könnte durchaus neue Kundenschichten erschließen.
A: Die Ärzte, denen Langhaar steht? Für die wären geschlossene Friseurläden ja DER Hotspot.
B: Nicht nur. Sie sollten wissen: Das Konzept des Pop-up-Stores generiert Kundschaft durch zeitliche Verknappung. Die Arztpraxis könnte umgekehrt jede Woche in der Lokalpresse inserieren und einen anderen Ruhetag ausrufen.
A: So „Jetzt aber schnell! Nur diese Woche montags geschlossen.“
B: Ich sehe, Sie verstehen. An diesem einen Montag kämen dann aus der ganzen Stadt die Angstpatienten.
A: Weil die ja froh sind, wenn zu ist.
B: Lassen Sie uns dies morgen Doktor Broselmann vorschlagen. Fachwissen trifft bauernschlau, wie wir Lateiner sagen. Immer mehr Ärzte [hier irgendeine schlaue Phrase über heutige Ärzte einfügen, etwa „werden gebraucht in ländlichen Gebieten“, „öffnen sich der Alternativmedizin“, „sind übermüdet durch Bereitschaftsdienst“, „kriegen den Hals nicht voll“, „verschreiben Generika“, „züchten Geranien“, „haben einen Hund“ etc.].
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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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