Nachtrag 2015: Bis(s) zu Alm-Öhis Hütte

Heidi, „Sharks“ und Kristen Steward: Wildes Assoziieren nach der Zeitungslektüre stand Pate bei diesem bald ein Jahr verspäteten Beitrag. Wie ich las, sollte zum Jahresende „Heidi“ ins Kino kommen, und Wuppertals Oper schickte die „West Side Story“ auf die Bühne. Begonnen hatte mein 2015 kulturell aber mit einem Film, der weder „Bis(s) zu Alm-Öhis Hütte“ im Untertitel hieß noch „Bis(s) aufs Blut im Bandenclinch“. Kristen „Bella“ Steward machte trotzdem mit, der Film hieß „Die Wolken von Sils Maria“, und drüber was schreiben wird höchste Zeit.

Verbindung eins liegt nahe, denn wie die Geschichte um das Stadtkind in den Bergen spielt auch „Sils Maria“ in einer imposanten Gebirgslandschaft. Ich selbst verbinde gemischte gefühle mit solch alpinem Overkill: Weit plus gewaltig – voriges Jahr war ich für einen Reisebericht in Kärnten und begann diesen dann mit dem Eindruck: „Bei der Anfahrt etwas erschlagend.“ Fürs Heidi freilich ist’s anders (ja, bei Johanna Spyri heißt sie „das Heidi„): Erst von der Tante zwangsverschickt in dieser ja gar nicht idyllischen Coming-of-Age-Story, wird sie doch heimisch in der erst fremden Welt mit dem grantligen Öhi.

Heidi httpwww.moviepilot.defilesimages0004200942009.jpg

(Bild zu einer älteren Verfilmung – mir gehts ja nicht um Promo zum neuen)

Und‘s Bella, pardon: die Kristen? In „Wolken von Sils Maria“ schien das Alpenpanorama mir sehr deutlich eines zu sein: Kulisse. Optisch präsent und dadurch auch stimmungsprägend – aber doch bloß Setting für ein Drama zwischen zwei Menschen, wie es im Grunde überall spielen könnte. Steward spielt die Assistentin einer Schauspielerin, dargestellt von Juliette Binoche. Diese, vor Jahren gefeiert als junge Liebhaberin in einer Dreiecksgeschichte, muss nun über die Anfrage entscheiden, im Remake die Ältere zu geben. Fragen um Kunst und ums Altern führen zum Schlagabtausch mit der jungen Assistentin.

Durchaus ein Kräftemessen zweier Generationen mit unterschiedlichen Sichten auf Zeit und Gesellschaft. Und die Bergszenerie wird der Ort dieser Begegnung, denn dorthin verschlägt es die beiden, unter freiem Himmel probieren sie Rollenansätze. Grandios und zugleich abseits der Welt, konfrontiert die Landschaft letztlich zwei starke Persönlichkeiten und fokussiert auf einen inneren Konflikt – freilich nicht von Rivalität geprägt, sondern von kritischer Loyalität der Jüngeren. Steward als Kind dieser Tage beharrt, dass auch Alien- und Cyborgwelten Stoff für gute Filme abgeben können, was die Diva zunächst belächelt. Am Ende, so verstehe ich den Schluss, hat Binoche aber nachgedacht über die Kunst und die Jugend – ’s Kristen ist da längst abgereist.

Clouds_of_Sils_Maria

Szene aus „Die Wolken von Sils Maria“ (wie Heidi mit Frauenblick von rechts, aber sonst doch eher anders)

 

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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