Nach Expertenmeinung ist 2015 bald rum

… Na gut: Hier mein kleiner persönlicher Jahresrundumschlag. (to be possibly continued)

ZWEIERLEI EIER

EIER 1: Die von Andreas Mucke. Im Wuppertaler OB-Wahlkampf spricht der IHK-Vize Kandidat Mucke manches als Befähigung für die Stadtspitze zu, unter anderem „Eier“, und provoziert nicht nur den Vorwurf der Wahlwerbung im Amt, sondern auch zur Frage: Was ist auf Facebook offiziell? Sicher ist gerade das Informelle unter Einzelpersonen so reizvoll an Social-Media-Kontakten. Bloß: Mit tausenden Followern im Rücken kann man sich hinter dem treuherzigen „Eindeutig privat!“ (O-Ton Heynkes) auch schön verschanzen.

EIER 2: Meine eigenen. Im Düsseldorfer Hauptbahnhof renne ich vor einem Ladendetektiv weg, freilich nur weil ich zum Zug muss, und als er mich stellt, mutmaße ich als Stein des Anstoßes: „Ach, die Eier?“ Die preisreduzierten Ostereier in meiner Tasche hält er aber gar nicht für Diebesgut, sondern eine DVD darin – dabei führt sein Laden gar keine DVDs, dafür aber preisreduzierte Ostereier. Hab ich nicht verstanden. Meine!

ZWEIMAL BUSINESS-SPRECH

SPRECH 1: „Eine Stadt, die die Dynamik eines Unternehmens entwickelt, das sich auf dem Weltmarkt behaupten muss und die Marktführerschaft erreichen will.“ Ähnlich unsympathisch wie diese Wuppertal-Vision des Marketingmanns Vok Dams in der neuen „Stadtzeitung“ ist mir bislang die ganze „Stadtzeitung“. Jedenfalls was ihr Vorgehen zum Start betraf: Der Herausgeber stellt sich als PR-Mann mit US-Erfahrung vor und scheint das für eine journalistische Qualifikation zu halten, und seine Leute werben offenbar recht aggressiv Mitarbeiter ab, nicht ohne manchen später wieder fallenzulassen.

SPRECH 2: „Unser Jahresziel haben wir übertroffen“ sowie „Das M steht auf dem Kopf, weil wir das Konzept Limonade auf den Kopf gestellt haben.“ Nicht schlimm, nur Standard, so klingen die adretten Burschen von der in Wuppertal konzipierten Limonade „Liwo“, die nicht so heißen will und schon ganz gut Globalisierung kann: Produktion in Darmstadt, zur Abfüllung an den Bodensee, zur Lagerung nach Cronenberg.

Bisschen modisch das alles, was aber ja nicht gegen ein Produkt sprechen muss, weil: Modisch-dynamisch-hosentaschig hatten sich auch die Macher der werbefreien Zeitung „talwaerts“ fürs erste Editorial ablichten lassen, und dann wurde die ja trotzdem gut. (Der Umbruch 2015 ändert nix daran.)

Das ist ja das Schöne an der Meimungsfreiheit, dass ich sagen kann:

Talwaerts schön trotz Schnöselfoto. Aber Liwo schmeckt eklig.

Allerdings habe ich auch nicht Reichweite und Verantwortung eines IHK-Granden.

WTAL, WELT UND ZURÜCK

VON WUPPERTAL IN DIE WELT: „Nachdem ich mehrmals über sie geschrieben habe, ziehen langsam auch SPIEGEL und Handelsblatt nach.“ Ein Satz zum Bauchpinseln und Genießen. Nicht dass ihr das gerecht würde und auch nicht ganz ohne Anführungszeichen, weil Diana Kinnert einfach hier in Wuppertal mit Politik begann, bevor sie mit 24 Jahren in Berlin MdB-Büroleiterin und „CDU-Hoffnung“ („Die Welt“) wurde. Immerhin: Auch für mich war und ist sie sofort eine besondere Bekanntschaft mit ausgeprägt eigenem Kopf, was ich zu schätzen pflege. Die CDU ist zwar weiter nicht meins – aber jemand wie die Ex-“Anna“-Schülerin klopft die Politik ihrer Partei unerbittlich ab nach Übereinstimmung mit deren eigenen Grundsätzen. Und scheut sich null, etwa die Homo-Ehe als konservatives Ziel zu fordern und christlich zu begründen.

Recht hat sie ferner damit, dass sie Chickennuggets mag.

VON DER WELT NACH WUPPERTAL: Vor einigen Monaten saß in einem Wuppertaler Café eine junge Frau, die exakt aussah wie Katy Perry. Hätte ihr sagen mögen, dass ich es recht albern finde, seine Karriere mit durchschaubarem Kokettieren damit zu beginnen, frau habe ja bereits einmal „ein Mädchen geküsst“ und es – o tempora! – sogar gemocht. Andererseits: Der Erfolg bestätige natürlich unser aller lahm-heteronormative Denke, ohne die sowas ja nie zum Aufreger getaugt hätte. Frau Perry hätte dafür wahrscheinlich wenig Verständnis gehabt; und falls doch, war es höchstwahrscheinlich nicht Frau Perry, weil sie wohl kaum deutsch versteht. Immerhin: Am nächsten Tag hieß es im Radio, am Abend habe wer in der Nähe, in Köln nämlich, ein Konzert gehabt? Katy Perry. Hab ich schon wieder nicht verstanden.

… und was sonst noch war:

LÜGENPRESSE“ – hier mehr

Last not least mein

Kulturjahr:

Großes Wort, weil ich meine Interessen in Theater oder Literatur gerne sehr willkürlich und ungerecht verteile, manchmal zum Leidwesen lieber Bekannter, die mich grundsätzlich mit künstlerisch Wertvollem verbinden und entsprechend beschenken. Für mich entdeckt habe ich erst jetzt zum Beispiel die Comedyserie „Big Bang Theory“, die zwar von zwei Intelligenzbestien handelt, selbst aber eigentlich keineswegs anspruchsvoller ist als vor 20 Jahren „Alf“ oder „Golden Girls“ – inklusive inzwischen eingebürgerter Einspiel-Lachsalven. Who cares.

Trotzdem von mir noch zwei kunstfähige Highlights: Das erste ist der Kinofilm „Die Wolken von Sils Maria“ (hier kommt vielleicht noch ne Rezi hin [Update oderwiedasheißt: hier ist was, ohne richtigen Schluss, aber inzwischen ist ja schon 2016 bald rum]), mit dem vorigen Januar mein Kultur-2015 begann. Vor grandioser Gebirgskulisse entspann sich da eigentlich ein Kammerspiel zwischen einer Schauspieldiva und ihrer Assistentin, zwischen zwei künstlerischen Generationen, zwischen Juliette Binoche und Kristen Steward. Und das trotz alledem erstaunlich ruhig, gesprächslastig … und nicht etwa biss zum Zickenkrieg.

Und das zweite war „Dorthin, wo Milch und Honig fließen“ (hier ist schon meine Rezi): Ein Werk rund um (doch noch) Migration, das sich in Düsseldorf auf eine sehr praktische Analogie verlegte: Prägend waren nicht die gespielten Szenen, sondern die Spielorte und noch mehr: dass die Zuschauer dorthin durch halb Oberbilk irrten. Zum orientalischen Hamam oder in den islamischen Kulturverein geleiteten Audioguides, die dem Teilnehmer beim Marschieren realistische Flüchtlingsschicksale aufs Ohr erzählten. Analogien blieben es trotzdem – zwei Stunden Laufen sind zwar viel verlangt für einen Theaterbesuch, aber natürlich sehr wenig im Vergleich mit echter Flucht.

Auch „Sils Maria“ habe ich übrigens in Düsseldorf gesehen, und zwar am Tag einer großen „Dügida“-Demo. Bisschen Gegendemo, dann wurds Zeit zum Kino – wie gesagt liebe ich meinen Eigensinn.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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