Man macht halt schonmal was

Neulich fiel es mir mal wieder auf: Mich interessieren Rollen nicht. Ich schreibe ja hie und da, und eine der Firmen lud zum Grillen. Nett war’s und lecker, einige Gäste kannte ich, viele nicht, einen bisher nur über Facebook, und ich schlug vor, mich zu seiner Crowd an den Tisch zu setzen. „Gern“, versetzte er ernst. „Da können wir uns unterhalten.“ Etwas sehr bedeutungsvoll klingt mir die Reaktion erst im nachhinein. Das Gespräch unter all den Leuten dort klang dann ein wenig nach „Smalltalk – Das Handbuch für die zwanglose Geschäftsanbahnung“.
Nach etwas Plaudern und Essen ging ich Nachschub am Buffet holen und nutzte die Gelegenheit, die Crowd zu wechseln. Nicht weil es zuvor unangenehm gewesen wäre – war es nicht. Bloß: Macht man das vielleicht nicht so – sich umtun, auf Partys?

War wohl keine Party.

Korrektes Rollendenken hätte hier wahrscheinlich vielmehr besagt, dass der Rahmen ja fast ein offizieller war. Eigentlich liefen zwar alle einfach rum und aßen was. Bei mir und anderen aber mit theoretisch waberndem Schreib-Hintergrund (wobei ich auch ebensogut Werbekunde hätte sein können, die waren zahlreich vertreten, durften allerdings nicht so genannt werden), der andere machte Fotos vom Abend, schöne übrigens, und war insofern regelrecht aus Berufsgründen da. Was mich ja weder störte noch sonderlich interessierte, ebensowenig wie mich sonst auf Partys die Berufe der Leute sonderlich interessieren.

Hätte es sollen, vielleicht.

Anderer „Termin“ (wie man anscheinend sacht im Biz): „Voll hier. Hammermäßig“ schien mir bei Ankunft zur Pressekonferenz bei der Sparkasse eigentlich nur naheliegend, als Kommentar in die große Runde. Ich bin ja nun wirklich jeglicher Coolness unverdächtig und darf so reden. Oder? Steht das wo? Auch sonst redet man doch mal was. Ein paar Wochen vorher z.B.: Das Kulturamt über eine Kooperation mit Velbert, der freundliche Velberter über seine Veranstaltung, Martin über seine Eltern, die auch schon mal in Velbert waren.                                                                                                                                         Ich dachte, so geht Kommunikation.

Naja, und ob ich überhaupt „Journalist“ bin: Woher soll ich das wissen?

Auch Texten z.B. ist ja Texteschreiben. Einmal suchte ein befreundeter Designer einen Texter fürs Bauobjekt eines Kunden, und ich entwarf ihm ein paar „Claims“. (Das ist das, was jeder normale Mensch „Slogans“ nennen würde – aber klar: Rollenfreunde erfinden auch eigene Spezialwörter. Wo bliebe sonst die schöne Rolle.)
Als später eine nette Gruppe achtzigjähriger Hobbytöpferinnen über die Zeitung einen Raum zum Töpfern suchte, schrieb ich dazu erst den Artikel und ging mich dann selbst umhören – beim besagten Bauinvestor, ohne mich aber als sein Claim-Lieferant zu outen. Er reagierte freundlich, ermunterte: „Wir finden eine Lösung für Ihr Projekt.“, und empfahl mir … ein Bauobjekt, das mir bekannt vorkam. (Dazu wiederum muss man wissen, dass solche Leute so ziemlich alles „Projekt“ nennen, was nicht als „Objekt“ durchgeht.)

Offenbar hielt er mich für einen Tonwarenunternehmer.

Gern hätte ich da abschließend zurückgemailt: „Zwar helfe ich gerne alten Damen, doch eigentlich sind Brennöfen mir eher unbekannt. Hab’s nicht so mit Experten-Denke. Kennen tue ich allerdings Ihr Bauobjekt – den Slogan dazu immerhin hab ich Ihnen dann doch mal gebacken. Ansonsten weiß ich über Ton nicht viel mehr als über Steine oder Scherben.“ Bin bloß nicht sicher, ob er’s verstanden hätte.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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