Junge Mucke? Altes Lied: Presse ist Partei

Am Beispiel Wuppertaler OB-Wahlkampf: Heute wieder mal bestätigt gefühlt in der Haltung, dass man die Medien nicht zu ernst nehmen sollte. Zeitungen werden von Menschen gemacht, die haben Meinungen, das ist kein Fehler. Einen Fehler macht man aber als Leser, wenn man Objektivität erwartet – mir ist das heute naserümpfend bei der Morgenlektüre passiert, obwohl ich es besser wissen sollte.

Die eine Stadtzeitung (meint nicht die so genannte „Stadtzeitung“) stellt den prominenten Wahlkampfeinsatz der letzten Tage als persönlichen Angriff auf den CDU-Kandidaten dar. Die andere Stadtzeitung erweckt in einem Kommentar bei mir den Eindruck, die Notwendigkeit eines Wechsels sei beschlossene Sache, Fakt eigentlich.

In beiden Fällen hat die Parteinahme mich kleinen Naivling zunächst einmal erstaunt, da ja nun mal nicht „Wahlwerbung“ drüberstand. Ist natürlich schief gedacht – das wurde spätestens dann klar, als ein Leser meinte, letztere Kommentatorin dafür rüffeln zu dürfen, dass sie nicht „neutral“ sei. Positionslos als erste Zeitungspflicht – ein Schmarren. Bloß dass man Parteilichkeit dann der Gegenseite selbstverständlich ebenso wenig vorhalten darf.
Die Geschichte um den IHK-Chef, sein SPD-Bekenntnis und den Protest dagegen: „Meine Kreise“ hatten all das ja längst verbucht unter „Jung unterdrückt Kritiker“ – Punkt für Mucke, wünschte man sich. Aber: So eine Facebook-Timeline, man kann (sich) nicht oft genug daran erinnern, spiegelt eben kein breites Spektrum, sondern den eigenen Horizont, weil der unser Be- und Entfreunden bestimmt. Nun also mal Sprachregelung „Schlammschlacht!“ statt Sprachregelung „Zensur!“ – Punkt für Jung?

Zu guter Letzt lese ich ein persönliches Ja aus Journalistenkreisen zu einem der Kandidaten, sofort gefolgt von der Einschätzung, per öffentlichem Outing mache man sich natürlich unmöglich für politische Berichterstattung – was mir in seltsamem Kontrast zur genannten, ganz selbstverständlichen Werbung allerorten zu stehen schien. Aber vielleicht ist es so, vielleicht ticken sie so, die Leute, die Leser, und überhaupt. Liebe Leute, liebe Leser: Medien ergreifen Partei, mehr: Sie sind Partei, immer. Part of the job. An die eigene Nase greife ich mir mit dieser Belehrung gern selbst demnächst, bevor ich sie rümpfe.

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(Alt, aktuell: „Wir Geschichtenerzähler“)

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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