Zum Beispiel: Unterwegs

Eigentlich ein Reisecafé – besser: ein Reisendencafé: Neueröffnung hinterm Düsseldorfer Hauptbahnhof. Zentral gelegen so gesehn. Trotz Nähe zum großen Maghreb-Viertel Oberbilks weniger orientalisch als vermutet – etwas Kraut und Rüben. Regal mit beliebigen Kaufartikeln, doch immerhin süß präsentiert: Mini-Snickers quellen opulent aus einer Art Füllhorn; sonst gibt’s nur Kaugummis, die aber in sieben Sorten und hübsch auf fünf Körbchen verteilt. Dazu Käsekuchen in der Vitrine, urdeutsch hausgebacken neben etwas 1001-Nacht-Patisserie. Ein paar Kissen im Arab-Style bei eher neutralen Hockern am Fenster. Blick raus: Bahnhofsgegend.

Was hier nicht Bordell und Döner heißt, zur Abwechslung. Warum derlei oder auch Tele-Internet-Cafés sich so oft in Bahnhofsnähe ansiedeln, habe ich sowieso nie verstanden. Schnell mal surfen zwischen Ankunft und Hotel? Schnell ne Nummer, dieser Art oder auch jener? Hier davon nichts jedenfalls, vielmehr eine rötliche Rückwand des Bahnhofsgebäudes mit DB-Schild – sowie, bewegter, Route der Fernbusse. Seit die Autostraßen für die Bahnklientel erschlossen sind, ist der Fernverkehr viel sichtbarer geworden, geradezu Teil des Stadtbildes. Auch wo die Gleise längst außer Sichtweite sind und das Stadtleben sich ausbreitet, zieht ja jetzt der Kollektivverkehr, zieht vorbei, aber erstmal: hindurch. Transit mittendrin.

Zentral gelegen, eigentlich: Wenn man’s denn fände beim Umsteigen, da nicht am oder neben, sondern eben hinter dem riesigen Hauptbahnhofskomplex. Vorbei kommen durchaus auch Leute zu Fuß statt im Bus, eilig mit Rollkoffern. Rein aber keiner – was von innen dem Reisenden-Panorama freilich keinen Abbruch tut. Um elegant der Unsicherheit zu entgehen, ob das Bestellte serviert wird oder an der Theke abzuholen ist, schnell nach Toilette gefragt – damit es sich nach Rückkehr von selbst geklärt hat. Letztlich: ersteres. Erstmal: Kleiner Badraum offenbar für Gäste nicht eingerichtet – Luft-Händetrockner nicht in Betrieb außer als improvisierte Ablage für, immerhin, Papiertücher. Fast privat dafür: eine Dusche. Ausweislich Gel- und Shampootuben auch durchaus genutzt, wenn auch heute noch nicht, wie die fehlende Nässe dem Hobbydetektiv schnell verrät.
Vielleicht wäre ein Plakat in Gleisnähe die Investition wert: Café mit Reisekomfort: schnell erreicht, etwas nett, serviert mit Tablett, viel Kaugummi, Kuchen lecker, Dusche.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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