Offener Brief an die Firma „AROSA-Kreuzfahrten“ (anders komm ich nicht aus dem Verteiler)

Liebe firma AROSA-Kreuzfahrten, wie kann ich Sie denn einmal dafür begeistern, Ihre reklamesendungen an mich einzustellen? Nicht zum ersten mal bitte ich Sie darum, denn ich glaube, ich bin nicht ganz die zielgruppe. In urlaub fahre ich zwar, z.b. zuletzt für eine nacht nach ratingen, das war auch schön, aber ich glaub, die haben gar keinen fluss.
Als ich jetzt wieder mal Ihren hochglanzkatalog „Schöne Zeit“ im briefkasten fand, den er mit seinen zweihundert seiten vereinnahmte wie Ihre prunkschiffe die natur, kam ich grad vom poco-einrichtungsmarkt und hatte mir als sommerluxus des jahres eine bambusmatte für 7,99 geleistet, um mein 8-quadratmeter-badezimmer zu verschönern.

Pardon: zum wohlfühlort zu machen, wie es richtig heißen müsste in Ihrem jargon. „verführung pur“ eigentlich, Ihren „mehr als“ „fulminanten“ schreibstil einmal „einfach nur“ „in vollen zügen“ zu imitieren. Ich musste selbst auch schon ein paarmal reiseprospekte texten und stimme Ihnen zu, dass ohne die wörter „ENTSCHLEUNIGUNG“ sowie „SICH TREIBEN [früher: die seele baumeln] LASSEN“ heute gar nichts geht im biz. Wie übrigens iris berben beim konkurrenten aida ist ja Ihr promi-gesicht yvonne catterfeld – inzwischen macht sie anscheinend auf edel und soll Ihren kundInnen den eindruck vermitteln, dass schiffstouren für tausende euro vielleicht verschwenderisch sind, aber durchaus nicht dekadent.

Was mich nur immer ein bisschen traurig macht beim durchblättern als treuer, wenn auch unfreiwilliger leser Ihrer publikation: das ist, wie sehr Sie das betonen mit der zeit und der entspannung. Ist denn nicht gerade Ihre klientel typischerweise recht gut darin, für stress zu sorgen – im leben, im job, im allgemeinen? Dass moderne menschen zu funktionieren haben und „zeit“ außerhalb teurer auszeiten weniger „schön“ ist als vielmehr – geld: ich jedenfalls habe das nicht erfunden.

Frau catterfeld guckt mir persönlich vor jeder kulisse, ob kabinenblick zum fluss oder landgangblick zum palast, übrigens immer etwas zu salbungsvoll aus der wäsche. bei poco macht den job daniela katzenberger, und die sagt immerhin lustige sachen, z.b. „highheels hoch“ oder „ich bin’s, die katze“. Schönen gruß

Advertisements

Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
Dieser Beitrag wurde unter Ausgewähltes, Kolumnig glossig cetera, Schönes, Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s