Kunst u.a.: Berlin, gewichtig

VIELLEICHT WAR DIE DDR UNGEFÄHR SO OKAY WIE EINE LANGWEILIGE EHE.

„CANDLELIGHT!

EKSTASE!“

BZW.

„BANANEN!

PLAYSTATIONS!“

…MUSS DAS SEIN?
MAN KANN SICH AUCH MAL ZUFRIEDENGEBEN.

…Korrigiere: Die DDR-Konsummöglichkeiten.

Diese Berliner Blitz-Assoziation braucht, und erlaubt, keinerlei weiteren Kommentar.

————

Schnell weiter: Einfach mal etwas als Zustand hinnehmen statt ständig auf dem Sprung zum Scheidungsanwalt zu sein – welche schräge Querverbindung zu diesem stockkonservativen Gedanken sich da angeboten hatte auf dem Weg rund ums Brandenburger Tor und (natürlich ironischen) DDR-Rückbezügen wie den Broiler-Nostalgieshops: Vergessen! Ums Verrecken. Doch kaum begonnen, sich drüber zu ärgern, steht man in der Ausstellung zu Hans Arp im Charlottenburger Georg-Kolbe-Museum – und zurück ist sie, die Querverbindung.

Hans Arp war Dada, machte Dada („war Dadaist“ klingt mir immer noch schief, weil Dada ja -ismen selbst immer bekämpfte), und Dada hat viel Quatsch gemacht. Wer wie ich von diesen Angriffen auf Zeitgeist und Kunstsinn des beginnenden 20. Jahrhunderts hauptsächlich die sprachliche Variante kannte, von Kurt Schwitters u.a.: Der konnte sich in diesem durch und durch kultivierten Museum – grünes Idyll, idealische Akte, feines Kunstcafé – vor Arps Objekten einmal schön erinnern lassen, dass es Quatschmachern trotz allem auch ernst sein kann, mit ihrem Spott über das Etablierte. (Genauso wie man ja auch anderen Literaturströmungen nicht gerecht wird durch Reduzierung auf „die humorvollen Gedichte“ ohne Kontext – wie es Autoren wie Tucholsky, Morgenstern oder auch Ernst Jandl so oft passiert heute.)

Ziemlich witzig zwar, zu Arps schwer museumsmäßigen Steinformen so rätselhafte Titel zu lesen wie „Menschliche Konkretion auf ovaler Schale“ oder „Pflanzentorso“ –  wohl Parodien auf verstaubt-seriöse Monumentalplastiken und deren Benamsung. Aber erst in ihrer massiven Präsenz macht Kunst halt oft so richtig klar, dass es ihr bei allem Spielerischen sehr wohl um etwas geht. Bildende Kunst demnach mehr als schreibende – und bild-hauende am allerdeutlichsten. Hammer und Meißel schwingen ist schwer – schreiben kann erst mal jeder. So tickt das Hirn.

Kunst will was – Lektion mit dem „Holz“hammer

Und das, nach langem Exkurs, war dann allen Ernstes die erst wieder vergessene Assoziation zum Thema „Scheidung“: Bekanntlich wird die vom Gesetzgeber ja auch deshalb so aufwändig gestaltet (rechtlich, zeitlich, finanziell), um in Erinnerung zu rufen: Freunde, Ehe ist was Ernstes. Überlegts euch doch noch mal.

Banane.                                                                                                                                                   Ekstase.                                                                                                                                                         Wie gesagt.

Wäre gar nicht schlecht, wenn Hans Arp auch riesige Eheringe gemeißelt hätte.

Foto0417  Die tun nur so groß: Via „verstaubt“ wird selbst das Preußische sympathisch

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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