Was Medien dürfen

„Alles, was Sie ab jetzt sagen, kann gegen Sie verwendet werden“, sagte ich ernst zum Gegenüber. Ich arbeite nicht beim FBI, und mein Gegenüber war auch nicht mordverdächtig, sondern Intendantin eines kleinen Theaters, der ich Fragen für die Zeitung stellen wollte. Aber mit der Presse reden ist ja auch nicht ungefährlich.
Nicht nur Pegida beklagt die Macht der Medien. Auch eine nette Schauspielerin kritisierte neulich, eine Redakteurin habe einmal ein informell gemeintes Gespräch für eine „Homestory“ missbraucht. Meine Besprechungen dagegen fand sie respektvoll, und das freute mich – trotzdem: Ein Journalist macht sein eigenes Ding, und grundsätzlich will ich das auch dürfen.
Erinnern darf man schließlich, heute mehr denn je: Presse ist nicht PR. Ein Veranstalter meinte einmal eine Kollegin rügen zu dürfen, er möge es gar nicht, wenn im Bericht „andere Events erwähnt werden“. Taktische Empfindlichkeiten unter Kulturwettbewerbern müssen die Medien aber genaugenommen null interessieren.
Sensibles Vorgehen ist zu wünschen, wo die Empfindlichkeiten persönliche sind, wie bei der Schauspielerin. Trotzdem: Fakten, Ereignisse, aber auch Menschen sind für Journalisten unter anderem – Material. Das sollte man wissen. Material für Geschichten – mit dem man freilich verantwortungsvoll umgehen sollte. Ich glaube, Journalismus ist ein bisschen wie das sogenannte Regietheater, das ja auch immer wieder Schläge einstecken muss: Was vorliegt, ist Steinbruch für eigene Werke. Gute Regisseure tun das ebenfalls mit Umsicht.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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