Kö und Hinterhöfe, PR und Kunst … und was noch so ansteht

Ich wag mal was. Da WORDPRESS jeden Blogger so nett fragt „Was beschäftigt dich?“, lasse ich mich einmal anregen, ganz unfertig einige Schnipsel von Gedanken hinzustreuen, die mich in der Tat beschäftigen, ohne aber bislang annähernd zu einem Gesamtbild zu taugen, mehr noch: ohne dass auch nur der einzelne Schnipsel ordentlich vollgeschrieben wäre. Womit es dann auch gewesen sein sollte mit den Papier-Metaphern.

Maximal wie so Post-it’s. [LINK]

[LINK] schreibe ich jetzt wohl öfters, um dort später vielleicht zu anderen Adressen weiterzuleiten, vor allem aber zu eigenen Beiträgen, die noch gar nicht existieren und Einzelnes vielleicht demnächst einmal konkretisieren, wenn ich Lust und Zeit habe. Bis dahin nur Rundumschlag. [EVTL WORT ÄNDERN!]

Gestern durch Düsseldorf geschlendert, und das passte gleich ganz gut zu einigen meiner Themen dieser Tage. Düsseldorf ist eine Stadt, die es einem leicht macht, sie zu hassen. Kö und Bolker Straße, Elite und Enthemmung: Hier gibt es viel Bestätigung für jeden, der anders als ein früherer FDP-Chef „spätrömische Dekadenz“ nicht gerade primär bei der Unterschicht vermutet.

Ich hasse aber ungern.

Praktisch ist an Düsseldorf, dass es manche Anregung gibt, wie meine Heimatstadt, wie Wuppertal sich selbst sehen, darstellen, vielleicht auch vermarkten könnte. Häufig ist neuerdings zu hören, es gebe im Tal trotz seines schlechten Images da und dort viel Aufbruchstimmung und Engagement; nur werde das nicht wahrgenommen oder, schlimmer, sogar schlechtgeredet. Genannt wird dann gern die Nordbahntrasse [LINK] oder der nahe Mirker Bahnhof [LINK]. Gleichzeitig sorgt in der Stadt der Nachbar Düsseldorf für Aufsehen mit dem lockenden Plakatspruch: „Das Leben ist zu kurz, um langweilig shoppen zu gehen!“ Retourkutschen wurden schon versucht; in der Wochenzeitung „talwärts“ schrieb Manfred Görgens eine lustige Kolumne mit der Empfehlung: „Das Leben ist zu kurz, um in Wuppertal kotzen zu gehen“ [GENAUES ZITAT?] – bezogen auf eigene Jugendtage, in denen der Besuch in der Landeshauptstadt sich … nun, wohl mehr auf die Bolker Straße konzentriert hatte als auf die Kö, welche die aktuelle Kampagne mutmaßlich anpreisen wollte.

Was aber wären solche Retourkutschen, die Düsseldorfer nach Wuppertal locken könnten? Oder die geeignet wären, Abwanderungsgefährdete statt rheinwärts im Tal zu halten?

Hierhin passt eine Episode neulich im Café des Von-der-Heydt-Museums, für die hier aber erst einmal ein Platzhalter namens [LINK] genügen muss, sonst kommen wir hier nie weiter.

Fazit dieser Episode soll jedenfalls sein: Wer Glamour, Gala, Gloria sucht, den wird Wuppertal nicht beeindrucken können, selbst wenn es versucht, mit seinen paar Prunkstücken zu punkten. Stadthalle: Konzertsaal von Weltrang. Pina Bausch: Ja. Aber das ist nicht typisch Wuppertal.

Nächstes Thema. Charme des Unscheinbaren. Für Wuppertaler mag das schon abgedroschen klingen, aber das liegt eben daran, dass es uns in Fleisch und Blut übergegangen ist. (Oder wer an Biologie glaubt: vielleicht schon immer dort war.) Mit diesem Wuppertal wird nur der warm werden, der etwas anfangen kann mit Dingen wie „Reiz der Hinterhöfe“, „Nicht-Perfektion“, „Schönheit auf den zweiten Blick“. Vielleicht sind das ähnliche Leute wie die, die im Ruhrgebiet die Fördertürme mochten, als der Bergbau schon seine besten Zeit hinter sich hatte, aber von der Großkultur á la Ruhrtriennale noch nicht vereinnahmt war. Oder wie solche, die in Berlin bestimmte Stadtteile bevorzugten, als sie noch nicht hip waren … und sie damit ungewollt hip machten. Hip und teuer. Ich glaube eigentlich, Gentrifizierung ist mehr noch als eine kapitalistische oder eine soziologisch interessante eine sehr tragische Angelegenheit. [langt das zum LINK?]

Nun ist das Tückische an kleinen, nicht-plakativen Schönheiten, dass sie sich für Plakate nicht zu eignen scheinen. Wie werben mit Unscheinbarkeit?, könnte man zweifeln. Aber das muss nicht zutreffen: In Wuppertal gibt es Künstler, die genau das im Blick haben. Der Fotograf Olaf Joachimsmeier [LINK] zum Beispiel gestaltet seit Jahren Kalender voller Motive aus der Stadt, die sehr intensiv und ansprechend Ungelecktes und Schroffes festhalten, anders beleuchten, zur Szenerie machen. Könnte man nicht auf diese Weise selbstbewusst etwas typisch Wuppertalerisches darstellen und mit dieser Art von Selbstdarstellung die Stadt nach außen hin attraktiver machen, anstatt zum hundertsten Mal Tuffi oder Horst Tappert eher beliebig zum Testimonial zu machen?

(Jetzt weiß ich gar nicht genau, ob ich hier der Allitterierungslust erlegen bin und „Testimonial“ überhaupt „Gesicht einer Werbekampagne“ heißt. Sonst tuts das eben ab jetzt.)

[Kein [LINK] zu „Wikipedia: Testimonial“.]

Eines der weiteren Themen sollte ebenfalls mit der Welt der Werbung zu tun haben: Zuletzt postete eine Facebook-Freundin und Designerin den Satz: „Logos werden völlig überbewertet.“ Ich schrieb darauf: [besser kein [LINK], weil Nichtfacebookler den nicht lesen könnten und sich nicht verführt fühlen sollen, diesem Laden doch noch auf den Leim zu gehen; also zitieren:] „Martin Hagemeyer: …jetzt weiß ich zwar nicht, ob Du das ernst meinst, aber ich habe auch den Verdacht, dass es da recht viel Selbstreferenzialität gibt auch in der Werbebranche. Und viele originelle Gimmicks vor allem die Kollegen vom Fach begeistern – für dies ja eigentlich nicht gemacht ist…“

Just in Düsseldorf hat ein teures Logo fürs Stadtmarketing von sich reden gemacht: ein liegendes „D“, das zusammen mit einem Doppelpunkt einen Smiley ergibt. [LINK] Nun kommt mir zu derlei Klagen zwar auch die Assoziation des banal-gesunden Volksempfindens in den Sinn, von dem ich nicht viel halte mit Nassforschheiten wie: „Diese modernen Maler – das kann mein Enkel im Kindergarten besser.“ Kreative Phänomene zu reduzieren auf ihre Oberfläche oder auf den (unterstellten) geringen Aufwand bei ihrer Erstellung. Die Idee scheint mir doch ganz wesentlich zu sein für vieles in der modernen Kunst, nicht nur der bildenden übrigens, wesentlicher als virtuose Handwerksbeherrschung. So in etwa meinte es doch vielleicht auch Marcel Duchamps, oder war es Magritte? [NACHLESEN? ACH WARUM?] Ein Pissoir als Kunstwerk, eine Pfeife, die „keine Pfeife“ war laut Deklaration – nein: PER Deklaration. Kunst darf das. Davon halte ich viel.

Bei Werbung bin ich mir da nicht so sicher.

Nicht nur weil ich vor Werbung weniger Respekt habe als vor Kunst. Eher: Kunst muss, ja sollte sich doch nicht ganz gemein machen mit der Welt. Esoterisch, hermetisch, verrätselt etc gehören dazu. Etwas hingegen, das sich Commercials oder Public Relations nennt, trägt ja schon im Namen, dass es sich an der Gesamtheit oder der Öffentlichkeit orientiert, oder orientieren sollte, und jedenfalls genau dafür bezahlt wird.

Wer schon einmal die Arbeit in einer Werbeagentur erlebt hat, weiß: Auftraggeber für Werbemaßnahmen erstellen „Briefings“ mit wohlklingenden, schöne Systematik ausstrahlenden Kategorien, die ich allerdings gerade schon wieder vergessen habe [SUCHEN?]. Etwas wie ungefähr „Auf Bedarf aufmerksam machen“ oder „Den Anstoß zum Kauf geben“ war wohl dabei [BING englisch übersetzen lassen? müsste ja eigentlich klappen. och nööö…]. Nur, und ich bin (hoffentlich) nicht der erste, der das fragt: Ist all das nicht nahezu hinfällig, wenn nicht über allem die Frage steht „Erreicht es den Konsumenten? Und erreicht es ihn vielleicht anders als den Werbe-Kollegen oder den Auftraggeber, der zwar beruflich auf der anderen Seite stehen mag, aber letztlich wahrscheinlich selbst ziemlich tickt wie ein Werber – statt wie ein Kunde?“

Das Märchen von „Des Kaisers neuen Kleidern“ mit dem Kind, das (anders als die vom unsichtbar gekleideten Kaiser beeindruckte Menge) nur ruft: „Der hat doch gar nichts an!“: Mir scheint es unpassend, wenn man damit einen zur Kunst erklärten Fettblock lächerlich machen will. Ein umgekipptes D für Unsummen hingegen macht sich selber lächerlich. Oder eher: macht einen Zeitgeist lächerlich, der die Devise „Logo ist alles!“ als Dogma gespeichert hat und dem so automatisch folgt wie jedem anderen Denkmuster.

Denkmuster, die auch die Schlausten beherrschen, sind ebenfalls ein tolles Thema, aber vor lauter Post-it’s sehe ich gerade das Gelb nicht mehr, um mal ein sehr unausgereiftes Bild zu bemühen.

[NOCH ÄNDERN.]

 

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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