Pegida: Konsens ist zumutbar

Ein Hauptgrund für den Zulauf zu Pegida ist das behauptete Meinungsmonopol. Daher finde ich es wichtig, auf ebendiesen Verdacht einzugehen. Um ihn zu entschärfen.
Ich behaupte: Ja, es gibt eine Übereinkunft, wie Themen rund um Zuwanderung in der Öffentlichkeit vorkommen sollen. Das muss man allerdings nicht Verschwörung oder Diktatur nennen, was zur Agitation natürlich hervorragend klingt. Gegenvorschlag: Es ist ein Konsens.

Wenn in Fragen der Zeit ein allzu einhelliges Meinungsbild herrscht, gehen sonst auch bei mir schnell die Alarmsirenen an. Ich persönlich erlebe das derzeit stark gegenüber Russland, wo ich den Eindruck habe, dass mit einer politischen Linie (Geostrategie) alte Ressentiments („Iwan“) bedenklich zusammenfallen und daher kaum kritische Stimmen zum m.E. gefährlichen West-Kurs in puncto Ukraine existieren – oder: sich Gehör verschaffen können. Ja.
Skepsis gegen Einheitsmeinungen verstehe ich daher. Egal übrigens ob diese von irgendwem verordnet werden oder eher Produkt des ganz normalen Herdentriebs sind. Letzteres ist vielleicht sogar noch trauriger.

In der Ablehnung von Pegida und den anderen Anti-Islam-Bewegungen ist es anders. Der Konsens, die Grundübereinkunft, die Einheit meinetwegen lautet hier m.E.: Eine Bevölkerungsgruppe rundweg zum Angriffsobjekt zu machen – öffentlich, laut, Tendenz bedrohlich: Das ist schlicht unanständig.
Ich finde das Wort „Anstand“ so wichtig, weil Anstand auch in ganz anderen Bereichen immer auch mit Konventionen zu tun hat: Dass es üblich ist, andere Menschen auf der Straße zum Beispiel nicht zu bestehlen oder auch nur zu belästigen – das ist nicht nur eine juristische Frage. Sondern ein Standard einer Gesellschaft, der nicht jedes Mal neu begründet werden muss. Ich finde: Zum Glück.

Front gegen Islamfeindschaft: Das ist keine Meinungsdiktatur und kein Totschweigen von irgend etwas. Kein Mensch käme ja auf die Idee, von Gleichschaltung zu reden, wenn jeder zum Beispiel für Zivilcourage oder für Kinderrechte ist. Manche Dinge gehören sich einfach. Und manche nicht.

Konsens in Anstandsfragen ist eigentlich etwas sehr Bürgerliches. In diesem Fall, scheint mir, ist es ein guter.

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Mehr zum Thema: Irgendwas mit Medien

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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