Fake-Orgie fürs Ohr (wenn das mal keine Klicks lockt!)

Ein bisschen Quatsch zum Tage. Muss auch mal sein.

Fitnesstraining ist eine spannende Sache. Weniger weil das Training besonders ereignisreich wäre – erst recht nicht wenn man wie ich die ganze Stunde nur den Joggingfakeautomaten benutzt. Aber: Im Fitnessraum der Elberfelder „Schwimmoper“ läuft Radio Wuppertal. Wenn man beim Joggingfaken eine Stimme wie die der Radiomoderatorin Yvonne Peterwerth im Ohr hat, dann erinnert man sich, wozu man sich eigentlich gerade abstrampelt. Ich weiß es aber sogar noch besser, denn vor circa zwanzig Jahren war ich mit Yvonne Peterwerth Mitglied der Dienstags-Jugendgruppe der katholischen Kirchengemeinde St. Hedwig. Anders als die anderen Strampler im Raum weiß ich daher, dass sie ebenso hübsch aussieht wie sie klingt.

Neulich hatte Yvonne Peterwerth eine redaktionelle Anfrage zu einer Ausstellung von mir, und ich schrieb ihr begeistert von unserer gemeinsamen Vergangenheit.

Sie kannte mich nicht.
Und von St. Hedwig hatte sie anscheinend noch nie gehört.

Mit fortschreitender Strampelstunde kann man mein T-Shirt zwar allmählich auswringen, aber Frau Peterwerth belohnt mich nicht mehr dafür, denn inzwischen flirrt nur noch ihr Kollege Marc Weiß über den Äther, in die Oper, in die Schweißorgie. Er macht seine Sache ebenfalls ganz hervorragend. Dies schreibe ich, um Yvonne Peterwerth zu ärgern, falls sie dies hier liest, natürlich.

Ob Marc Weiß auch hübsch ist, weiß ich nicht, denn meines Wissens war er nicht in St. Hedwig. Lieb und vertraut ist immerhin seine Stimme mir aber dennoch, denn ich fahre viel Bahn, und Marc Weiß spricht in den EuRegio-Zügen nach Düsseldorf die Stationsansagen. Dies teilt das Unternehmen den Reisenden neuerdings auf Plakaten im Zug mit („die bekannte Stimme aus den NRW-Radios“). Ich finde das eine schöne Sprechrolle – vor allem: So kommt man weit rum.
Für mich wäre der Job ungeeignet, weil ich es jedes Mal als Ausdruck persönlicher tiefsitzender Verachtung interpretieren würde, wenn vom Publikum während meines laufenden genauer: fahrenden Auftritts ständig jemand rausgeht.
Aber Marc Weiß ist offenbar hart im Nehmen.

Persönlich bin ich ein besonderer Fan der Stelle „In Kürze erreichen wir Wuppertal-Vohwinkel. Bitte achten Sie beim Ausstieg auf den Abstand zwischen Zug und Bahnsteigkante“, bei der man den Eindruck hat, dass Marc Weiß beim Sprechen besonders auf den Abstand zwischen dem K von „Kante“ und dem ebenfalls wie K auslautenden „Bahnsteig“ achtet.
Vor allem aber ist er fleißiger als seine Durchsagekollegen von der Deutschen Bahn, die zwar knapp vor Halt den Namen der Station korrekt vermelden, sich einer seelischen Präparierung des Fahrgastes zwei Minuten zuvor in Gestalt eines „In Kürze erreichen wir…“ aber windelweich verweigern.

Klar ist aber natürlich, dass das schlaucht. Während meiner Jogging-Fake-Orgie stelle ich nämlich fest, dass der doppelte Einsatz des Radiomoderators beim zugigen Nebenjob ihm doch zugesetzt haben muss. Er moderiert nämlich gerade die Sendung „Das geheimnisvolle Geräusch“, und um noch mehr Hörer zu überreden, auf gut Glück eine kostenpflichtige Vermutung zur Herkunft des heutigen geheimnisvollen Geräuschs zu äußern, genauer: kostenpflichtig zu versuchen, ins Studio durchgestellt zu werden: Dazu geben die Leute von „Radio Wuppertal“ immer Tipps, und Marc Weiß zum Beispiel sagt heute: „Den Gegenstand, mit dem das Geräusch erzeugt wird, kann man im Supermarkt kaufen, und er ist meistens rot, kann aber auch weiß sein.“ In Wirklichkeit kann der Gegenstand aber lediglich auch schwarz sein, wie Marc Weiß sofort korrigiert.

Inzwischen kann man zwar nicht etwa mehr nur mein T-Shirt auswringen, sondern auch mich; aber meine Kraft reicht noch für die messerscharfe Schlussfolgerung: Höchstwahrscheinlich ist Marc Weiß durch sein Doppel-Vohwinkel (und wer weiß, welche Strecken er sonst noch betexten muss: Castrop-Castrop, Rauxel-Rauxel? Da muss man ja verrückt werden) durcheinander geraten und dachte sich: „Wer genau war jetzt nochmal Weiß von uns beiden: Ich? Oder doch eher der Gegenstand vom geheimnisvollen Geräusch? Ach egal. Fifty-fifty.“

Yvonne Peterwerth wäre das nicht passiert.
Sollen aber alle eh lieber mal Sport machen. Die ist bestimmt auch total fett, inzwischen.
Aber ich bin fertig.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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