Zu Neujahr nur Schönes: Martin im Glück

Samstag, Plan gefasst zur Tagesgestaltung: Nach Solingen fahren, um meinen täglichen Cafébesuch zur Feier des Wochenendes heute einmal ins „Café Brugge“ zu verlegen, wo es zum Kaffee eine angeblich original belgische Praline gibt. Wie jetzt, zu aufwändig? Schreibt man übrigens „aufwEndig“. Ich jedenfalls.

Für die Busfahrt (dauert immer so vierzig Minuten) endlich das „Philosophie Magazin“ gekauft, das ich schon lange 1. lesen und 2. unterstützen wollte. Dann aber doch den Zug genommen. Schneller. Martin ist ja schlau. Dafür allerdings nicht in Solingen angekommen, denn die Deutsche Bahn beschloss, beim Halt in Solingen alle Zugtüren kommentarlos verrammelt zu halten, die zu erreichen waren, ehe das Ding sich wieder in Bewegung setzte und den kleinen Martin erst in Opladen wieder rausließ. Jetzt aber sofort in Gegenrichtung nach Solingen? Och.

In Opladen hatte der kleine Martin kaum eine Woche zuvor am dortigen „Jungen Theater“ einen schönen Abend verbracht. Da nochmal hin? DIE Gelegenheit lässt man sich doch nicht entgehen. Auf dem Weg durch die Fußgängerzone schon mal ein paar Caféoptionen in den Blick gefasst. Das „Junge Theater“ war dann zwar ungefähr so zu wie vorher die Eisenbahn – was solls! Dafür gab es im Laden plus Café in der Nähe „handgefilterten Kaffee“. Klang gut. Der zeichnete sich dann zwar hauptsächlich dadurch aus, 1. ewig zu brauchen (aber Zeit hat der kleine Martin ja) und 2. nicht heiß zu sein (aber warm ist ihm ja auch schon); aber der kleine Martin weiß das Gebräu zu nutzen, indem er es über den extrem trockenen Nusskuchen gießt. „Wollten Sie eben Nuss oder Apfel?“, hatte die nette Bedienung gefragt und erklärt: „Ich hab mein Hörgerät nicht an.“ Martin freut sich, dass sie ihn also nicht etwa aus Geringschätzung nicht verstanden hat.

Als Begleitmusik zum nun nicht mehr ganz so trockenen Nusskuchen das Philosophie Magazin gezückt, den Stift desgleichen, und letzteren am Seitenrand zur gedanklichen Interaktion mit ersterem  genutzt. Gutes Heft, aber ein paar allzu schlaue Feinheiten, wie die Diagnose, von Feministen kritisierte SM-Romane wie das aktuelle „Shade of Grey“ seien in Wahrheit der selbstbewusste Ausdruck weiblichen Begehrens. Ausführungen natürlich inklusive gelehrter Anleihen bei „Derrida“. Oder war es „Bourdieu“? „Roger“ „Willemsen“? Wie die schlauen Menschen halt so heißen.

Und nach getaner Tagesmüh gegen fünf Uhr noch ein wenig durch die Opladener City, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie samstags nach drei nicht existiert. Nicht so eilig, junger Mann: Es gibt ein Woolworth, das billige Kaufhaus seit 1872. Die Zahl hieß anders, das „billig“ hingegen hat Woolworth vermutlich als einziges Unternehmen der Welt aus seinem Werbewortschatz in der Tat noch nicht gestrichen. Und es hat nicht zu viel versprochen: Im Laden entdeckt der kleine Martin die total schöne mängelreduzierte Herbstgedichteanthologie „Bunt sind schon die Wälder“ im Fischer-Verlag für einsneunundneunzig!!

Wenn DER Ausflug sich mal nicht gelohnt hat. In den Band zu Hause dann erst mal unauffällig ein eigenes Herbstgedicht vom kleinen Martin hinten reingeklebt – in täuschend ähnlicher Schriftart, har har! Mancher hätte sich ja vielleicht geärgert, dass die Deutsche Bahn ihn durch die erzwungene Weiterfahrt nach Opladen raus aus dem VRR dazu genötigt hat, für den Rückweg ein Zusatz-Ticket zu kaufen, das es in Solingen nicht gebraucht hätte. Och. Für den Spass.

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Über martinhagemeyer

"artikuliert": Ideen, geäußert und / oder zu Artikeln gemacht. Das habe ich jedenfalls vor.
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